Paso de la Oveja Trek

oder: Wo gehts hier lang?

Wir sind zurück und um ein Haar wären es keine vier, sondern nur zwei Tage gewesen. Aber von vorne!

Montag morgen begann der Spaß: Erst nur ein paar, dann langsam mehr weiße Flocken, die langsam gen Boden schwebten. Der erste Schnee dieses Jahr und perfekte Startbedingungen für vier Wandertage mit Zelt. Aber das hatten wir ja fast erwartet und so ließen wir uns nicht abbringen. Nach dreißig Minuten Taxi kamen wir im Valle de Andorra an. Überraschung: Der Pfad war laut Schild geschlossen und durfte nicht betreten werden. Nun… was tun? Umkehren und gleich aufgeben? Oder erstmal reinschauen? Dazu ein kleiner Exkurs in die Art und Weise, mit der mit Verboten hier umgegangen wird. Normalerweise beachte ich ja Parkschilder jeglicher Art. Hat schon ein Grund, so ein komplettes Halteverbot. Hier läuft das allerdings etwas anders und nichts und niemand stört sich dran. Halteverbot? Warnblinker an, und schon ist es in Ordnung. Parken in zweiter Reihe? Kein Problem, Warnblinker und gut ists. Mittlerweile haben wir uns dran gewöhnt und seitdem finden wir immer einen Parkplatz.

Also entschieden wir uns für letzteres und gingen los. Ein paar Minuten später kamen uns auch zwei Wanderer entgegen. Sie wurden vom Schneefall überrascht und hatten Angst, den Pfad zu verlieren. Soso. Vor dem Pass wollten wir sowieso erstmal zur Laguna Encantada, beide Wege haben nur die ersten 150 Meter gemein. Der Pfad zur Laguna ging zuerst durch Torfmoor, später durch steile Wäldern. Wir fanden alsbald heraus was es mit “Knöcheltiefer Morast” auf sich hatte: Schritt für Schritt tief rein in den Sumpf. Ein Hoch auf unsere Wanderschuhe! Auf dem Weg nach oben begegnete uns noch ein Pärchen, die uns erzählten, dass der Pass laut Touri-Info wegen ‘Landslides and Trees and so on’ geschlossen sei. Soso.
Am frühen Nachmittag waren wir bereits an der Laguna und schlugen unser Zelt im benachbarten Wald auf, an der einzig richtig guten Stelle. Später bekamen wir noch Gesellschaft von einem amerikanischen Wanderer, der sich mit dem Waldrand begnügen musste.

Eigentlich wollte ich von unserem Standpunkt aus den Cerro Esfinge besteigen, ein 1200-Meter-Bergchen. Aber der Gipfel war in Wolken, es war bitterkalt und der Berg war von Beginn bis Ende ein einziger Schutthaufen (sprich: Schotter bis zum Gipfel). Mit guter Aussicht ja, aber ohne – muss nicht sein. Somit endete der Tag damit, dass wir uns im Zelt verkrochen, unsere Schlafsäcke zusammen machten und uns an die (was für ein Luxus!) mitgebrachte Wärmflasche kuschelten. Nachts war es dann weniger schön, mehr als zwei, drei Grad Plus wird es kaum gehabt haben…


Feuchtgebiete

kalt kalt kalt kalt kalt…

Tiefgekühlt stiegen wir am kommenden Tag wieder ab und folgten dem Weg zum Pass. Kurz nach Beginn des Nationalparks endeten die Markierungen, dafür ging der Pfad deutlich erkennbar weiter, also immer nach! Gute zwei Stunden später mussten wir feststellen, dass der Pfad ins Leere führte und wahrscheinlich eher ein Wild- oder Reiterpfad war… Dazu sei noch zu sagen, dass die verfügbare Karte katastrophal ist. ‘Toy Map’, wie es am Tag zuvor der Amerikaner gut ausdrückte… Kurz vor der Nationalparksgrenze, wir hatten uns schon geschlagen gegeben und wollten zurück, sahen wir dann das Brückchen, das unscheinbar über den Fluss ging. Siehe da: Ein einigermaßen markierter Pfad! Die Entscheidung war schnell gefallen, weiter gehts. Laut Tourenführer sollte nach gut zwei Stunden ein netter Zeltplatz am Fluss kommen. Der kam nie, dafür manövrierten wir langsam über/um/unter umgestürzte Bäume, jedoch nie mit ernsthaften Wegfindungsschwierigkeiten. Nachdem sich abzeichnete, dass der Weg den erwähnten GPS-Punkt nicht erreichen würde, blieben wir um halb neun auf einer kleinen Lichtung – im ansteigenden Wald der einzige Zeltplatz weit und breit. Feuerländische Sommertage sind lang und das ist auch gut so…

Der Weg hatte immer wieder was von Takeshis Castle…


die zwei Bäume sind die Brücke… wir haben uns für die Direktdurchquerung entschieden

Der nächste Tag brachte uns etwas besseres Wetter – statt Wolkendecke mit sporadischem Schneefall war es wärmer und wir hatten öfters Sonnenschein – machten wir die letzten 400 Höhenmeter zum Pass, der sehr flach und daher bestens erlaufbar war.

Abstecher zum benachbarten See vor dem Pass

Den Grund für die Trailschließung war noch nicht gefunden und da wir genug Proviantreserve hatten, entschieden wir uns zur Überquerung. Auf die Details des Abstiegs verzichte ich, nach Abwägung der Wegmöglichkeiten entschieden wir uns für die falsche und verloren gute zwei bis drei Stunden. Immerhin erreichten wir den richtigen Weg wieder und mussten uns nicht durch den Wald schlagen.

Blick ins Tal nach erfolgreicher Passüberquerung

Wie am Tag zuvor existierten jedoch alle beschriebenen Punkte nicht, warum auch immer. Also Zeltplatz suchen, nur wo? Es war halb sieben, wir waren mittlerweile auf nur noch 450m Höhe, allerdings war es durchgehend dicht bewaldet und/oder völlig uneben. Zurück zur Ruta 3 waren es nur noch gute zweieinhalb Stunden. Die Tage sind lang, und das ist auch gut so…

Wir sollten jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Das war also der Grund für die Passsperrung! Vor uns lag eine Fläche von geschätzt 300-400 x 200 Metern, auf der nahezu alle Bäume weggeknickt waren. Allein für die ersten 250 Meter brauchten wir mehr als eine Stunde, sodass wir unser Zelt auf der ersten (und einzigen) halbwegs abzeptablen Stelle aufschlugen. Wir schliefen erstaunlich gut, trotz der Wurzel im Rücken.

prekäre Wegverhältnisse I

prekäre Wegverhältnisse II

prekäres Zelten… es war tatsächlich so schief wie es aussieht

Die letzten Meter gingen dann flott und nachdem uns ein freundlicher Argentinier noch bis in die Stadt fuhr, waren wir mittags zurück. Heiße Duschen… weehu! Jetzt geht es zwei Tage lang über Schotter und hoffentlich viel Asphalt zurück aufs Festland und dann nach Punta Arenas in Chile.

[flo]


autsch!

Herbstreste beim Abstieg

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One Response to Paso de la Oveja Trek

  1. Paddy says:

    uaah Abenteuer! :)
    wenns schon bei ~0°C so arschkalt im Zelt war, frag ich mich, wie das manche an den Polen durchgestanden haben! … die sind wahrscheinlich ständig am Liegestützenmachen gewesen – ne, Flo? ;-)
    Ah – es gibt Neuigkeiten! Meine BA ist gedruckt und gebunden! Montag geb ich sie ab… Dienstag noch nen Vortrag darüber gehalten und ab in den (Kurz-)Urlaub! :)

    lg Paddy
    PS: Antwort auf die Mail kommt, wenn ich mehr Zeit hab

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