Zeit:Kollaps I

Nach über 500km Fahrt, davon 120km übelste Schotterpiste, sind wir wohlbehalten in Punta Arenas angekommen. An der Grenze waren wir so schnell wie noch nie und die Beamten haben nicht mal ernsthaft in unseren Bus geschaut: Glück für Rosinen und Co. Hundert Kilometer vor Punta Arenas haben wir noch eine alte Estancia passiert, die mittlerweile größtenteils unbewohnt und damit zur Minigeisterstadt mutiert ist. Großartigerweise lag die Estancia an einer Bucht, in der vor langer, langer Zeit zwei Schiffe gestrandet sind – die liegen nun nahe beieinander rostend im Sand. Fotos folgen!

Punta Arenas ist eine seltsame Stadt, voll schäbiger Wellblechhütten und doch durchaus prosperierend. Ha, und was für ein Unterschied im Verkehr! Obwohl die Stadt mehr als 100.000 Einwohner hat, hat sich mein Blutdruck beim Hereinfahren in Grenzen gehalten. Heute waren wir mit den Fahrrädern in der Stadt unterwegs, vor allem um eine Ersatz-Wasserpumpe zu suchen (die wir natürlich nicht fanden) und siehe da: Es wurde gebremst! Für uns Fahrradfahrer! Völlig verrückt. Chile scheint also tatsächlich etwas entspannter zu sein, was Verkehr und Art und Weise des Umgangs mit anderen Verkehrsteilnehmern angeht. Sehr angenehm. Leider ist es doch nochmal teurer als Argentinien und wir zahlen für den Sprit wieder etwa einen Euro pro Liter. In Patagonien gab es lecker subventionierten Diesel zu 60 Cent/l, das ist doch nochmal ein Unterschied… Auch sonst, wie die Könige leben ist hier leider nicht, dazu hätten wir bei unserer Reisekasse nach Asien fahren müssen. Das Preisniveau für Nahrung und darum herum ist höher als in Deutschland. Immerhin sind die Backwaren billiger und gelegentlich auch das Obst, aber das ist auch schon alles.

Den faulen Tag heute habe ich mal genutzt, um ein paar der Bilder auszugraben, die intensivere Bearbeitung brauchen: Meine Langzeitbelichtungen bzw die Zeit:Kollaps-Serie. Ich wünsche viel Spaß und 2013 gibt es für Interessierte einen Südamerika-[Kitsch-]Kalender zum Selbstkostenpreis zu erstehen. Außerdem hat auch Cora ihren faulen Tag genutzt und die Karte endlich upgedatet: Oben findet ihr unsere Reiseroute unter “Karte”. Und weil wir hier auch hervorragend surfen können und ich immer gerne zeige, warum analoge Fotografie für mich soviel Reiz hat, können Interessierte bei Kirill Mo vorbeischauen und seine großartigen Mittelformat-Werke mit uraltem DDR-Film bewundern. Zwei oder drei Farb-Orwos habe ich auch noch zuhause liegen und ich freue mich riesig, im Sommer wieder meine geliebte Bronica in die Arme zu schließen. Dann werden auch die 60-70 Filme entwickelt, die ich hierher mitgenommen habe. Aber bis dahin: Digitallandschaften.

[flo]


Punta Piramides, 22 Uhr, ca 10 Minuten belichtet


Playa Elola, nächtlicher Standplatz nahe Camarones.


Camarones, nahe des Hafens


Feuerland, Valle de Andorra


Feuerland, Valle de Andorra


Feuerland, Parque Nacional Tierra del Fuego

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2 Responses to Zeit:Kollaps I

  1. Paddy says:

    Hey ihr!
    hab gerade von einer massiven Gletscherschnelze in Chile / Patagonien gelesen… bzw. das Video angeschaut! Krass – ihr seid vielleicht die letzten, die dort unten noch Eis gesehen haben ;-)
    lg aus Kassel,
    Paddy

  2. Paddy says:

    Hey Flo,
    ich bin grad über eine kostenlose Software zum Stabilisieren und automatischen Aufhübschen von Videos gestolpert!
    vReveal heißt die.
    Hier ein Prollo-Demovideo, spul mal zu ungefähr 1:00 vor, da merkt mans ganz deutlich!

    lg aus Kassel
    Paddy

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