Parque Nacional Torres del Paine [update]

[update 15.12.: wir sind grade aus der Werkstatt gekommen... nachdem wir knapp zehn Stunden dort verbracht haben. Die neue Wasserpumpe ist eingebaut, der Wagen abgeschmiert, der Ölfilter gewechselt und auf den ersten Kilometern haben wir kein Wasser mehr verloren. Hurra! Jetzt heißt es auf nach Norden und Daumen drücken, dass der nächste Werkstattbesuch erst beim nächsten Ölfilterwechsel nötig wird. Die nächsten zwei Tage verbringen wir auf der Straße nach El Calafate, um dann dort den Perito Moreno zu besichtigen.]

Es war soweit: Der Torres del Paine stand auf dem Programm. Der Park ist sicherlich einer der bekanntesten Nationalparks in Südamerika und beinhaltet mit der Umrundung des Bergmassivs eine der klassischen Trekkingtouren. Cora hat mich schon drauf aufmerksam gemacht, dass es diesmal zieeemlich viele (zuviele) Bilder sind – ich hoffe es ist nicht zuviel und gelobte Besserung. Für mehr Spaß empfiehlt es sich [F11] zu drücken.

In Puerto Natales haben wir zuvor Christian und Nana kennen gelernt – lustigerweise, wenn man so will, direkt aus der Erlanger Nachbarschaft. Die beiden sind grade auch ordentlich am Reisen und haben grade Australien, Malaysia und Indonesien hinter sich. So ging es am 1. Dezember zu viert über Teer und grauenhaften Schotter zum Camping an der Hosteria las Torres, das zu unserem “Basislager” werden sollte. Allein die Fahrt dorthin war wunderschön und unser Bus zeigte mal wieder alle Vorzüge (überall anhalten können) wie auch alle Nachteile (mit nur 30 km/h über den Schotter rumpeln).

Zur groben Orientierung: Der Park liegt im tiefen Süden Chiles und berührt die Ausläufer des patagonischen Inlandeises. Mehr zum patagonischen Inlandseis gibt es hier. Die Felstürme (die bis über 3000m gehen) sind für Bergsteiger völlige Kracher. Um das Massiv herum verläuft der Circuito. Die meisten machen jedoch das “W”, das die südliche Hälfte des Circuitos abdeckt und gleichzeitig noch die beiden Täler “Valle Frances” und “Valle Ascencio” beinhaltet. Da wir im Gegensatz zu den omnipräsenten Drei-Wochen-Urlaubern ausreichend Zeit hatten, gingen wir den gesamten Circuito samt Side-Trips an… gute 130 km und mehr als 5000 Höhenmeter.


Auf dem Weg zum Park


Die Torres


Millimeterarbeit auf der Hängebrücke. Eigentlich nur für 1,5 Tonnen, wir wiegen etwa doppelt soviel. Aber nachdem vor uns auch Mercedes Sprinter mit Besatzung drüber sind (die wiegen leer 2-3 Tonnen)…


In unserem ‘Basecamp’

Die ersten beiden Tage verbrachten wir im Valle Ascencio. Von den im oberen Teil gelegenen Zeltmöglichkeiten ist man in einer Stunde beim Mirador las Torres, dem “Ausguck” auf die Felsspitzen. Am ersten Abend war das Wetter eher mau, die Türme waren zwar sichtbar, allerdings war alles recht matschig. Also quälte ich mich am morgen drauf um sechs aus dem Schlafsack (naja, richtig früh ist das ja nicht) und bekam die Türme bei allerbestem Wetter vor die Linse. Der Rest bevorzugte den kuscheligen Schlafsack… selber schuld (:


Schaf und Igel beim posieren


bestes Wetter am frühen Morgen

Unten im Tal hieß es dann: Packen. Acht Tage laufen plus ein Schlechtwettertag, ergibt Essen für neun Tage. Dank Nana und Christian kam so langsam ein Gefühl, mit wie wenig Essen man durchkommen kann – ab jetzt wird das auch in den Alpen so gehandhabt. Morgens Porridge, abends Reis. Muss ja nur sattmachen, Speck kann man sich hinterher wieder drauffuttern. Also starteten wir mit grade mal 21-22 kg pro Person auf den Circuito.

Die erste Etappe führte uns 16km über mäßig hügeliges Gelände. Der Himmel war grau und als am nächsten Morgen ein kurzer Regenschauer kam, befürchteten wir schon patagonisches Matschwetter für den Rest des Tages. Aber das Klischee der vier Jahreszeiten an einem Tag hat schon seine Gründe: Einige Minuten nach dem Regen war kaum eine Wolke am Himmel. Auch Regen und strahlender Sonnenschein schließen sich keineswegs aus… Weiter ging es, 19 km bei wunderschönem Wetter, durch blühende, unglaublich abwechslungsreiche Landschaften. Leider kann ich das Erleben weder in Worte fassen, noch geben die Bilder es adäquat wieder… aber es war großartig! Die Tour endete am Lago Dickson, an dem wir erstmals einen Gletscher hatten, der sich vom Inlandseis in den Park ergießt.


Morgens am Camping Seron… 15 Minuten zuvor regnete es noch


Laguna Azul


Unterwegs durch blühende Landschaften…


…vorbei an milchigen Seen


Hinten die Ausläufer des Inlandeises, vorne links die Camping-Halbinsel


später Nachmittag am Lago Dickson

Der dritte Tag des Circuitos brachte uns dann erstmals schlechteres Wetter. Zwar hatten wir Glück und schafften es rechtzeitig zum Wolkenbruch ins Shelter des Zeltplatzes. Dieses bildete den Rest des Tages den Kondensationskeim für sämtliche sozialen Kontakte, war es doch der einzig wirklich trockene und dank Ofen warme Ort. Wir waren gute 15 Leute auf den etwa 12 Quadratmetern und es war großartig. Ich hatte sogar riesiges Glück einen amerikanischen Doktor in Orthopädie-Fachausbildung kennenzulernen, den ich dann zwecks meines seit Wochen an einer Stelle stechenden Rückens konsultieren durfte. Wenns doch immer so einfach wäre…
Unser Zelt war leider nicht annähernd so trocken wie das Shelter. Teures Ultraleichtzelt schön und gut, aber es ist etwas frustrierend, wenn der Regen einfach durchläuft. Glücklicherweise hatten wir Gewebeplane mitgenommen, um das Zelt von unten sauber- und trocken zu halten. Die konnten wir dann so spannen, dass kaum noch Wasser reinlief. Nichtsdestotrotz: Finger weg von Salewa-Zelten! Neben uns war ein Pärchen mit dem gleichen Zelt unterwegs und sie hatten ähnliche Probleme.


Da war das Wetter noch besser

Am Folgetag stand das anspruchsvollste Teilstück an, der Paso John Garner. Auf 1240m Höhe gelegen, ist der Pass die windigste Stelle der Runde und außerordentlich exponiert. Durch die Nähe zum Inlandseis und die Lage am Gletscher kann das Wetter schnell umschlagen. Bei schlechtem Wetter hieße es sowieso untenbleiben. Doch wie wir schon zuvor erfahren konnten, schlechtes Wetter ist hier relativ. Es regnete fast die ganze Nacht bis es das Stürmen begann. Morgens um fünf ein Blick in den Himmel: Ist das grau oder wolkenlos? Es war tatsächlich wolkenlos und so beeilten wir uns mit dem Essen und packen. Folge war ein Schnell-den-Pass-hochprügeln-bevor-es-noch-windiger-wird, denn ab der Baumgrenze wurden wir streckenweise einfach weggedrückt vom Wind. Ich kann mich nicht dran erinnern, irgendwo solche Böen erlebt zu haben. Aber es war alle Anstrengungen wert: Die Aussicht vom Pass und den Kilometern danach war gigantisch. Rechts von uns das Inlandseis und vor uns lag der Glaciar Grey, der immerhin über 20km lang und gute 5km breit ist. Gigantisch! Der Abstieg erfolgte nahe des Gletscher und das gute Wetter des Folgetages zeigte uns die ganze Schönheit dieser Eismassen.


Der Morgen des Pass-Tages: Bestes Wetter! Die Wolken sind eigentlich keine Wolken, sondern vom Wind aufgewirbelter Schnee…


Links der Paso John Garner, technisch problemlos, aber außerordentlich windig


Cora auf dem Weg nach oben


Wind!


kurz hinter dem Pass


Eismassen…


die Abbruchkante…


…und die Eisberge am Refugio Grey

Etwa eine Laufstunde nach der Abbruchkante des Gletschers beginnt mit dem Refugio Grey das oben genannte ‘W’. Was für ein Unterschied! Liefen wir die Tage zuvor mit unseren zwanzig Mitstreiter_innen in familiärer Atmosphäre auf einsamen Pfaden durch die Wildnis, begann ab hier die Autobahn. Ich freue mich ja über erschlossene Parks und die Möglichkeit auch jenen die Schönheiten der Natur näher zu bringen, die körperlich nicht so fit sind. Aber was uns auf dem viel begangenen Wegstück begegnete war schon grotesk. Menschen die eher in die Disko als auf einen Wanderweg gepasst hätten. Ist ja nicht so, dass nicht innerhalb kurzer Zeit das Wetter umschlagen kann. Wer dann auf eine drei-Stunden-Tour mit Wollpulli, Jeans und Chucks losläuft braucht sich nicht zu wundern, wenn er oder sie bei einem Wettersturz in Bedrängnis gerät. Auch lustig die entgegenkommenden Massen, die mit überfüllten 80-Liter-Rucksäcken auf der (maximal-)5-Tages-Tour unterwegs waren. Soviel kann man für fünf Tage doch gar nicht mitschleppen… naja. Wir waren einerseits sehr befremdet, andererseits freuten wir uns über eine warme Dusche und einen kleinen Kiosk an der Paine Grande Mountain Lodge. Die Atmosphäre hatte zwar eher etwas von Festival-Stimmung, aber das Wetter war in Ordnung und wir freuten uns auf die letzten Tage.


Der Lago Grey, sehr passend genannt


Seen in sämtlichen Farben, von dezent blau…


…bis knallig türkis, wie der Lago Pehoe hier, an dessen Ufer (im Bild links unten) die Paine Grande Mountain Lodge liegt


Der Paine Grande im Abendlicht


frische Eier vom Kiosko… eine Wohltat nach tagelanger Keks- und Reisernährung!


unsere Mitbewohnerin, die allerdings nach kurzer Zeit verbannt wurde

Bevor es zurück zum Auto ging, wollten wir noch das Valle Frances erkunden. Die Nacht wollten wir im oberen Camp verbringen, nachdem es kostenlos war. Das Camp hatte keine Einrichtungen mehr, nichtmal mehr ein Plumsklo… aber es war ja nur für eine Nacht. Dafür waren wenig Menschen da. Außerdem schafften wir es, die einzigen 20-30 Minuten Gut-Wetter-Pause zu erwischen, denn den Tag über hatte es zugezogen und immer wieder mal leicht geregnet. So genossen wir in kleinem Kreis den Ausblick.

Nachts regnete es, irgendwann war es dann still. Trotzdem hörte es sich noch ein wenig nach Regen an, was war da los? Der morgendliche Blick aus dem Zelt erklärte alles: Mal wieder Schnee. Immerhin etwas Weihnachtsstimmung. Wir hatten zwei Alternativen: Entweder die restlichen 22km ab dem Camp zum Auto durchlaufen oder auf halber Strecke beim Refugio Los Cuernos nochmal eine Nacht verbringen. Angesichts des Wetters war die Entscheidung einfach: Weiterschlafen. Gegen halb elf brachen wir dann doch endlich auf und gerieten in einen kleinen Schneesturm. Im Tal selber war es besser und so erreichten wir gegen vier Uhr das Refugio. Die Ernüchterung kam schnell: Die Campinggelegenheiten waren eher mau und mit 6.000 Pesos/Person (etwa neun Euro) viel zu teuer. Also weiterlaufen. Das Wetter besserte sich und wir verbrachten bis halb neun wunderbare Stunden alleine auf dem restlichen Wegstück. Die tiefstehende Sonne tauchte alles in goldene Farbe und wir kamen erschöpft, aber glücklich am Auto an. Heiße Dusche! Essen! In einem richtigen Bett schlafen!


bestes Wetter beim Abstieg


vorbei am Lago Nördenskjöll

Der Rest ist ja bekannt: Nach der letzten Nacht im Park wollten wir nach Norden, jetzt hängen wir in Punta Arenas fest. Morgen ist der Werkstatttermin, mal sehen wieviel sie als Preis veranschlagen. Wir hoffen dass es mit der Reparatur getan ist und wir unseren Weg pannenfrei fortsetzen können.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und auch die restlichen Bilder anschauen möchte (56 an der Zahl), kann das hier tun. Einfach das erste Bild anklicken, in der neuen Seite L drücken und dann lassen sich die Bilder im Leuchtkasten mit wenig Ladezeit anschauen.

[flo]

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One Response to Parque Nacional Torres del Paine [update]

  1. bernd says:

    Moin.
    Da muss ich Cora widersprechen!
    Solche geile Bilder kann ich nicht genug sehen!!!!

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