Zurück auf Los II

Wir sind, mal wieder, zurück in Punta Arenas. Es ist zum Weinen. 130km gefahren, über einen Liter Wasser verloren. Drei Stunden auf dem Parkplatz gewesen und überlegt, was wir jetzt machen. Vor der Wasserpumpe hat man es tropfen gesehen, jetzt tropft nirgends mehr Wasser. Weg ist es trotzdem. Mit halb geschlossenem Kühlerdeckel zurückgefahren, noch 100km Schotter zum Testen mitgenommen, nur noch 1/2 l Wasser verloren, das meiste auf Schotter. Also wirds wohl irgendwo rausgedrückt, wenn Überdruck im Kühlsystem herrscht. Möglichkeit 1: Irgendwo ein Leck im Kühlsystem. Wäre aber komisch, immerhin hatten wir vor eineinhalb Monaten keine entsprechenden Probleme. Möglichkeit 2: Zylinderkopfdichtung kaputt. Aber in den Motor scheint es kein Wasser zu drücken, bliebe nur andersrum (wodurch dann über das Überdruckventil Wasser verloren ginge). Kurzum: Wir haben keine Ahnung und werden die hiesige Mercedesvertretung morgen früh zum dritten Mal beehren. Der Geschäftsführer spricht übrigens deutsch, vielleicht erwischen wir ihn nochmal. Immerhin hätten wir selbst eine Zylinderkopfdichtung als Ersatzteil dabei, Jutta und Martin sei Dank für ihre Voraussicht.

Während wir hier darauf warten dass die Zeit vorbei geht und morgen früh die Werkstatt öffnet, bekommen wir ein wenig mehr von unserer Umgebung mit als auf der Straße. Universidad de Chile, einer der bekanntesten chilenischen Fußballvereine (ansässig in Santiago) hat als erster chilenischer Fußballverein die Copa Americana gewonnen – vergleichbar mit der europäischen Champions League. Nach dem gewonnenen Rückspiel kam es zu abendlichen Freudenfeiern auf Santiagos Straßen. Was macht man dagegen? Richtig: Wasserwerfer einsetzen. Dass die chilenische Polizei nicht für ihre überlegte und milde Herangehensweise bekannt ist, dürfte spätestens nach dem gewaltsamen Vorgehen gegen Bildungsstreikende diesen Sommer klar sein. Traurigerweise forderten die Feierlichkeiten mindestens ein Opfer. In Puerto Natales – die nächste Stadt, 250km entfernt und mit knappen 20.000 Einwohnern – kam nach zehntätigem Krankenhausaufenthalt ein 19-jähriger Fan ums Leben, der von der Polizei verhaftet wurde und, nach Angaben der Polizei, beim Anfahren aus dem Polizeiwagen gefallen wurde. Eine andere Version (für die wir aber keine Quellen haben) besagt, dass die Polizei ihn angeblich so aufgefunden hat… seine Freunde sagen (auch das haben wir nur über Dritte mitbekommen und haben keine Zeitungsquelle), dass er in Polizeigewahrsam verprügelt wurde und aus diesem Grund nun verstarb.

Vermutlich wird es dank Corpsgeist nie herauskommen, was wirklich geschah, der offiziellen Version glaube ich aber kein Wort. Defektes Auto, beim Anfahren rausgefallen und lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Das scheint auch der hiesigen Kriminalpolizei zu abstrus, mittlerweile wird wohl gegen die Carabinieros ermittelt. Was mich allerdings wundert, ist die öffentliche Reaktion. Es passiert: Nichts. Keine Demos, keine Aktionen… nichts. Ist das so normal hier? Vielleicht als Folge zu jahrelanger Militärdiktatur? Gestern tönten die Polizeisirenen durch die Stadt, am Ende war es ein Weihnachtsumzug…

Dem Aktionismus abgeneigt ist man hier auf jeden Fall nicht, wie das mit Farbe eingedeckte Rathaus der Stadt zeigt (vermutlich im Zusammenhang mit den Bildungsprotesten).

Wir sind gespannt, wie es in den größeren Städten wie Santiago oder Valparaiso ausschaut. Sollten wir es bis dort schaffen…

Bei der Gelegenheit verlinke ich noch einige von Coras Bildern von der Estancia San Gregorio, an deren Strand zwei gestrandete Schiffe verrosten und ein altes von vor über einem Monat.

[flo]

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