El Chaltén, Cueva de las Manos und die Ruta 40

Ein gutes neues Jahr euch allen!

[29.12.] Wir sitzen gerade in Gobernador Gregores fest, da es zurzeit kein Diesel gibt. Dummerweise ist das die einzige zuverlässige Tankstelle zwischen El Chalten (350km) und Perito Moreno (ebenso 350km). Da sich das Auto heute entschlossen hat die “Wir fahren seit einer Woche ohne Panne”-Party zu sprengen, funktioniert die Tankanzeige ebenso wenig wie die Temperaturanzeige. Bei letzterem heißt es: Ventilator an und Heizung an, dann überhitzt er schon nicht – das Thermostat ist wenigstens mechanisch geregelt. Wenigstens etwas positives an dem alten Teil… Dank der fehlenden Tankanzeige ist es uns allerdings zu riskant weiterzufahren und so warten wir auf morgen abend – da soll der Tanklaster kommen. Die Stadt hier ist übrigens die größte (und eigentlich auch die einzige) in einem Umkreis von 300km…

[30.12.] Also haben wir eine Menge Zeit totzuschlagen. Beginnen wir von vorne!

Nach unserem opulenten Weihnachtsmahl schliefen wir erstmal aus und setzten uns am ersten Weihnachtstag langsam in Bewegung. Im Gegensatz zum Torres del Paine sind an Fitz Roy und Cerro Torre die Wege kurz und anspruchslos. Die beiden Gipfel sind die Hauptattraktion des nördlichen Teils des Parque Nacional Los Glaciares. Vor allem am Cerro Torre kann man sich bei ausreichender Begabung und etwas Glück ein bergsteigerisches Denkmal setzen.
Wir hatten derlei nicht vor (wie auch), statt dessen liefen wir gemütlich über Campamento Agostino (am Fuße des Cerro Torre), Campamento Poincenot (am Fuße des Fitz Roy) und schließlich Campamento Capri die Vier-Tages-Runde. Wir hatten bestes Wetter, fast immer Sonne und nur wenig Wind. Eher weniger spaßig waren dafür die Unmengen an Pferdebremsen. Ist ja nicht so schlimm, von ein paar dieser Viecher umflogen zu werden. Aber wenn man dreißig, vierzig Stück um sich hat, sie auch nicht los wird und als einzigen Ausweg bei über 20°C komplett in Bergjacke läuft um nicht gestochen zu werden… nunja, wir haben es (meistens im Zelt) ertragen und von unserer Runde ein paar hübsche Bilder mitgebracht. Neben den autobahnartigen Wanderpfaden habe ich mich auch endlich wieder höher gewagt und den Cerro Madsen bestiegen – knapp über 1800 Meter hoch und direkt gegenüber des Fitz Roy. Erwartet hatte ich einen kurzen Anstieg über Schnee, am Ende stand ich knietief in 45° matschigem Schnee und konnte mir am Gipfelaufbau noch ein paar Schrammen dank messerscharfer Steine holen… Erkenntnis des ganzen war, dass ich ab nächstem Sommer ganz dringend meine Felskletterfähigkeiten ausbauen muss. Nichts desto trotz war es eine großartige Tour und landschaftlich ein absolutes Highlight… ich kann es nur jedem empfehlen, der vor Ort ist und noch ein paar Stunden Zeit hat.


Morgen am Cerro Torre


Fitz Roy von unten…


…von der Flanke des Cerro Madsen…


…und vom Gipfel desselben.


Lago de los Tres vom Cerro Madsen aus

Nachdem wir jetzt die touristischen “Kracher” absolviert hatten – Torres del Paine, Glaciar Perito Moreno und die Pfade rund um Chaltén – stand bzw. steht die lange Fahrt nach Norden an. Die patagonische Steppe ist, wie der Name schon vermuten lässt, wüstenartig, sehr eintönig und kaum besiedelt. Dafür zieht sie sich über mehr als 1000 km von Norden nach Süden – und mitten drin sind jetzt wir. Die Ruta 40, unter Reisenden legendär, passiert genau diese Region. Ursprünglich wollten wir sie großräumig umfahren – 500km Schotter müssen nicht sein. Aber da uns berichtet wurde, dass die Strecke mittlerweile zu großen Teilen asphaltiert ist, haben wir uns auf die Reise begeben. Von El Chalten aus führte uns die Tour nach Tres Lagos, gute 130km entfernt. Dort sollte eine Tankstelle sein – denkste! Die Tankstelle haben wir gefunden, nur Sprit gibt es seit längerer Zeit keinen. Wann wieder welcher kommt? Man weiß es nicht. Am Ende hat die Besitzerin uns 20 Liter von ihrem privaten Dieselvorrat verkauft – Glück gehabt! Das reichte immerhin für eine sichere Fahrt nach Gobernador Gregores.


Willkommen in Tres Lagos…


nächtlicher Besuch

Die nach Tres Lagos folgenden 180 km Baustellenschotter haben wir dann umfahren – mit 140 km gutem Schotter und nochmals 120 km Asphalt. Warum die Unterschiede beim Schotter? Da liegen Welten zwischen: Eine gute Schotterstraße ist sehr fest, am besten erdig, nicht matschig, etwas sandig mit wenig Steinen, vor allem keine großen, festgefahrenen und am besten noch spitzen Blöcke. Eine schlechte Schotterstraße (zum Beispiel nach viel LKW-Verkehr) ist ausgewaschen, voller Schlaglöcher und Wellblechabschnitte, außerdem sind soviel Steine drauf, dass man maximal mit 25 km/h drüber kommt. Das schlimmste sind jedoch die Baustellenschotterabschnitte: Während über die alte Schotterstraße drüberasphaltiert wird, wird der Verkehr über unverdichteten Schotter einfach durch die Steppe geleitet. Das hat zur Folge, dass man durch Kies(brocken) fährt, mit sämtlichen Folgen: Einsinken, Steinschlag am Unterboden, etc. Ein uns entgegenkommender 309D-Fahrer (größer und besser motorisiert als unser 207D) berichtete, dass er 9 Stunden für die 180km brauchte. Das wollten wir uns nicht antun und landeten somit nach gemütlicher Fahrt in Gobernador Gregores. Wo wir heute noch sind und wahrscheinlich auch noch morgen früh… und wenn es blöd läuft auch im neuen Jahr.
Die Stadt ist das allerletzte: Man darf wohl wegen irgendeinem Gesetz nicht auf der Straße nächtigen, daher kann man nicht wie anderswo einfach das Bad einer Hospedaje nutzen und dementsprechend weniger zahlen (wie in Punta Arenas, wo wir zusammen etwa 8 Euro zahlten). Und die Preise sind gruselig hoch für ein einfaches Zimmer, ab 40 Euro aufwärts. Klingt erstmal nicht viel, ist für hiesige Verhältnisse aber enorm teuer. Also erstmal an die Tanke gestellt – dumm nur, dass aus dem üblichen Wind Sturm geworden ist und wir zum einen keine Lust auf dauerhaftes Schwanken, zum anderen etwas Angst um unsere Windschutzscheibe hatten. Also ans andere Ende der Stadt auf den verlassenen Campingplatz gefahren und da stehen wir nun und warten auf die Diesellieferung. Mitten in der Pampa, ein Tag vor Silvester. Aber vermutlich ist es ganz gut, dass wir nicht starten konnten. Der Wind hat sich heute nochmal um einiges gesteigert und obwohl wir hier annehmbar windgeschützt hinter einer Mauer und einigen Bäumen stehen, weht uns einiges um die Ohren. Die Stadt selber ist wie ausgestorben, kein Wunder, wenn die Luft grau vom Staub ist und der Wind einen in die Knie zwingt. Eben sind auch noch zwei Franzosen mit ihren Fahrrädern angekommen, jedoch nicht per Rad, sondern mittels Pickup. Sie waren zu dritt auf der Ruta 40 unterwegs, wurden dann von den Sturmböen mehrmals von ihrem Rad gedrückt und hatten keine Chance, sich auf der Straße zu halten. Zu allem Überfluss haben sie auch noch ihren Freund auf der Strecke verloren, jetzt suchen sie mit Polizeihilfe nach ihm.
[...]
Einige Stunden später sind es wieder drei Franzosen und unser Tank hat wieder über 50 Liter mehr Diesel. Der Wind nimmt (sehr) langsam ab und wir hoffen, morgen bis Bajo Caracoles zu kommen. Dort sollte, 230 km bzw. eine Tagesreise nördlich von hier, die nächste Tanke sein, aber nach unseren bisherigen Erfahrungen kann man darauf nicht vertrauen.

[31.12.] Der Wind ist weg und wir sind es endlich auch. Gobernador Gregores war grauenhaft öde und wir sind froh, in Bajo Caracoles angekommen zu sein. Wir haben die kleinen Schnecken (Übersetzung des Ortsnamens) zwar noch nicht gefunden, aber vielleicht sehen wir sie heute abend beim Silvester feiern auf dem Dorfplatz. Haha, Dorf. Es gibt eine Schule, eine Polizeistation, ein schäbiges Hostel (vor dem wir stehen) und ein heruntergekommenes Hotel, das gleichzeitig als Tante-Emma-Laden und Tanke fungiert und wahrscheinlich das Zentrum dieser Einöde ist. Dazu kommt das gute Dutzend Häuser und das war es auch. Der nächste Ort ist dann Perito Moreno, weit mehr als 100km entfernt. Was für einsame Landschaften. Wir stehen hier auch nur, da in einigen Kilometern die Straße zur Cueva de las Manos beginnt. Die Höhle ist Weltkulturerbe, nachdem sich 7000 bis 1000 v.Chr. die damalige indigene Bevölkerung mit Höhlenmalereien und insbesondere Negativabbildern von (meist linken) Händen verewigt hat.
Die Ruta 40 hatte hier vor einigen Jahren ihre schlimmsten Abschnitte. Zwar wurde uns von der Touristeninformation in El Calafate gesagt, dass mittlerweile der entsprechende Abschnitt komplett geteert ist, aber wir waren zurecht skeptisch… und sind immer noch erstaunt, wie wenig Ahnung die entsprechenden Stellen von der Umgebung haben. Egal, am Ende waren es knapp über 100km Schotter, die aber bis auf wenige Ausnahmen bestens zu fahren waren. Einzig die Präsenz der neuen, noch nicht für die Allgemeinheit geöffneten Fahrbahn zehn Meter weiter war etwas verstörend: Da rumpelt man mit 30km/h über die Piste, während nebenan eine wunderschönst geteerte Straße verläuft. Wir verstehen immer noch nicht, warum manche Teile freigegeben sind und manche verbarrikadiert sind… es wird schon seine Gründe haben. Vielleicht. Vielleicht hat man es aber auch nur vergessen. Würde mich nicht wundern, angesichts der Tatsache, dass wir auf den 100km Schotter (und damit Baustellenabschnitt) nur ein einziges Baufahrzeug gesehen haben…
Wie auch immer, wir sind gut angekommen, kochen uns mit dem letzten Gemüse gleich unser Silvestermenü (Nudeln mit Tomatensoße…) und stoßen dann aufs neue Jahr an. Bis dann.

[3.1.] Chile. Die Sonne scheint, es ist mit knapp 30°C fast zu warm und nachher springe ich in den See, um ein wenig zu planschen. Die Cueva de los Manos waren wunderschön, Bilder werden nachgereicht. Auch die anschließenden 100km Fahrt bis Perito Moreno waren durchaus kurzweilig. Den Bus mussten wir leider etwas prügeln – gut, dass wir einen Berggang haben! Normalerweise ist die Serie mit vier Gängen ausgestattet, wir haben fünf und fahren im zweiten an. Der erste ist nur für Steigungen und ohne den wären wir nicht wieder aus der Senke rausgekommen – in keine Richtung. Super ohne Temperaturanzeiger, aber offenbar ging es gut. In Perito Moreno haben wir die Tanke als Stellplatz gewählt, nachdem auf dem Campingplatz 20€ für uns beide veranschlagt wurden… no way. Über Los Antiguos sind wir nun nach Chile Chico gekommen und freuen uns über die Massen an frischen Kirschen, die hier grade gepflückt werden und entsprechend billig sind. Morgen nehmen wir die Fähre über den See… wer die Dimensionen verstehen möchte: Wir durchqueren den See an einer seiner engeren Stellen und fahren zweieinhalb Stunden.
Somit sind wir nun auf der Carretera Austral, einer der legendären Straßen der Welt. Doch dazu die nächsten Wochen mehr…
Momentan haben wir selten Strom und noch seltener Internet. Daher kann es etwas dauern bis wir uns melden und auch die bisherige Bilderflut werden wir wahrscheinlich nicht aufrechterhalten können.

[flo]

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One Response to El Chaltén, Cueva de las Manos und die Ruta 40

  1. Steffi says:

    Halli Hallo ihr beiden,

    Ich wünsche euch ein wunderschönes Neues Jahr und nur das Allerbeste!! Ich finds wahnsinnig toll von der spannenden Reise zu lesen. Es fühlt sich fast so an als wäre ein kleiner Teil von mir mit euch unterwegs. Das ist schön!! Leider sieht die Realität anders aus. Prüfungen stehen gerade an. Eine davon war heute schon. Da waren’s nurnoch zwei. Anyway. Ich wünsche euch alles Liebe und hoffe bald wieder Spannendes zu lesen, sowie geniale Bilder anzusehen!

    Steffi

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