Carretera Austral I

Es regnet. Gestern. Heute. Morgen. Immer. Wir sind im Regenwald. Wie wir da hingekommen sind? Mit dem Auto, haha…
Puyuhuapi, der Ort, an dem wir grade ausharren und hoffen, dass es irgendwann weniger wird (aufhören wird es so schnell eh nicht, aber wenigstens weniger Regen wäre schön), liegt an einem pazifischen Fjord und ist an der Landseite umgeben vom P.N.Queulat. Der Star des Parks ist der Wald: Gemäßigter, immergrüner Regenwald, doch so kalt, dass er an Tierwelt nicht mit den tropischen Regenwäldern vergleichbar ist. Die Pazifikstürme tragen die Feuchtigkeit zur Küste und hier regnet sie sich ab, denn über die Anden hinüber ist es ein langer Weg. Und so kommt es, dass Teile des Parks über 4000mm Niederschlag im Jahr bekommen. Wenigstens scheint der Boden damit klarzukommen, ich hatte befürchtet, dass sich die Carretera Austral jetzt in eine Schlammschlacht verwandelt, doch weit gefehlt. Trotzdem ist die Straße desaströs und uns wird langsam klar, warum sie zu den berühmt-berüchtigsten Fernstraßen der Welt gehört.

Ein paar Worte zur Carretera. Die Straße verläuft durch unwegsames Gelände und normalerweise käme niemand auf die Idee, hier einen Verkehrsweg durchzusprengen. Zum einen ist die Gegend durch das Klima enorm bewachsen – was auch heißt, dass Wege schnell wieder zuwachsen. Zum anderen ist die Landschaft zerklüftet und bergig. Ursprünglich war dieser Südteil Chiles per Auto nicht erreichbar, bis Pinochet (Stichwort: Chilenische Militärdiktatur & verschwindenlassen abertausender Oppositioneller) aus geopolitischen Gründen – die Spannungen zum Nachbarland Argentinien stiegen, nicht zuletzt wegen Grenzstreitigkeiten im Süden) 1976 den Straßenbau beginnen ließ. Es dauerte bis 1994, bis die 1350 km von Puerto Montt im Norden bis Villa O’Higgins im Süden fertig waren.

Wir sind bei der Hälfte eingestiegen, über Chile Chico mit der Fähre nach Puerto Ibanez gefahren und über Coyhaique mittlerweile nach Puyuhuapi gereist. Die ersten 280 km hatten wir allerbesten Asphalt, der dann schlagartig aufhörte und einer Schotterstraße platz machte, die mehr nach Bombenhagel als nach Landstraße aussieht. So kam es, dass wir uns mit 10 – 25 km/h gen Norden bewegten. Egal, solange wir durchkommen ist alles in Ordnung. Bis Chaiten sind es 200 km, von dort aus besuchen wir den Parque Pumalin und setzen danach mit der Fähre nach Chiloé über.
Was ähnlich nervraubend wie die Straße ist, ist der Regen… ab und zu gibts eine kurze Pause, dann donnert es wieder runter. Zur Versöhnung haben wir eine atemberaubende Landschaft, die von überbordendem Grün dominiert wird. Wir haben zwei Wanderungen im Park Queulat gemacht und waren nach den Wochen der ‘Dürre’ rund um die Ruta 40 begeistert von soviel Leben. Von den Hängen stürzen Wasserfälle, im Wald ist jeder freie Quadratzentimeter besiedelt von Farnen, Moosen, Schlingpflanzen, Bambusgestrüpp, Bäume die auf anderen Bäumen Wachsen… Dazwischen immer wieder blühende Fuchsien und die immer präsenten Nalca-Pflanzen. Diese Rhabarber-ähnlichen Pflanzen wachsen überall und erreichen unglaubliche Ausmaßen. Die einzelnen Blätter wachsen teils über zwei Meter hoch und haben entsprechende Durchmesser. Könnte man sicher gut als Regenschirm benutzen…

Heute gibts keine Bilder – ist einfach zu umständlich. Wir sitzen draußen unter dem Dach der Touri-Info und nutzen grade das freie Netzwerk hier. Aber da wir auch noch anderes machen müssen (Mails, Ersatzteilsuche, etc.) müssen wir die Bilder nachreichen. Also, wenn wir das nächste Mal Internet UND Strom und sogar noch etwas Zeit haben, dann hauen wir Unmengen von Bildern raus.

[flo]

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>