Santiago de Chile und Valparaíso

Nach fast zwei Wochen Pucon haben wir uns auf die Fahrt nach Santiago gemacht. Da unsere alte Dame nicht die schnellste ist und wir es auch nicht mehr so lange am Stück in ihr aushalten, haben wir die fast 800km, obwohl größenteils Autobahn, in 3 Tagen bewältigt. Am letzten Tag folgte dann noch die Fahrt in die Stadt hinein: 15km zunehmender Stadtverkehr. War aber gar nicht so schlimm und anstrengend wie wir befürchtet hatten. Vor dem Hostel wurden wir auch gleich freundlich begrüßt, obwohl erstmal ein Parkplatz für uns frei gemacht werden musste und dann auch noch unser Rückwärtsgang nicht mehr wollte, weswegen 3 Leute vom Hostel uns mit auf den Parkplatz schieben mussten.
Toller Start für Santiago. Wir wollten uns nur noch ausruhen, aber da kam schon das nächste Problem. Hätten wir übers Internet reserviert, wäre es billiger. Also Laptop geschnappt um das schnell zu machen – ging nicht. Kein Strom trotz Stecker in der Steckdose. Nach einer kleinen Verzweiflung haben wir unsere zweiten Adapter modifiziert und siehe da, es lag nicht am Laptop, sondern an dem Adapter-Stecker. Alles gut gegangen.
Untergekommen sind wir in Santiago in einem Hostel, dass in einem schönen alten Gebäude untergebracht ist und nette Mitarbeiter hat. Leider haben wir hier wohl eher ein “Party-Hostel” erwischt: 2mal die Woche gingen Belegschaft und Bewohner zusammen feiern und auch an den anderen Abenden war Ruhe und eine ungestörte Nachtruhe eher die Ausnahme. Mir kann auch noch mal jemand erklären, wieso nachts um 4 an der Rezeption noch laut Musik läuft, so dass ich sie im 1.Stock hören kann….Positiv am Hostel: Neben Frühstück, gab es überraschenderweise auch Abendessen für alle Bewohner umsonst. Zwei Tage hatten wir auch Glück, und das Servierte war vegetarisch. Die Lage in Providencia, im Botschaften-Viertel, war ganz okay. Die nächste Metro ist nicht weit entfernt, obwohl wir uns das Geld für sie des Öfteren gespart haben und lieber gelaufen sind. In Providencia gibt es nicht viel, außer Einkaufsmöglichkeiten, aber leider keine Bäcker.

Nach der Erkundung des Viertels haben wir uns am nächsten Tag auf den Weg ins Zentrum gemacht. Am Regierungspalast Moneda vorbei, durchs Einkaufsviertel, liefen wir zum Plaza de Armas, dem zentralen Platz. Leider hat das Centro außer Einkaufsmöglichkeiten und Banken auch nicht soviel zu bieten, oder zumindest nichts was uns interessiert. Also zogen wir weiter zum Barrio Bellas Artes. Aber auch hier wurden unsere Erwartungen nicht erfüllt, ebenso wenig im Barrio Lastarria. Hinzu kam noch, dass das Museum für Bildende Kunst (Museo de Artes Visuales) wegen Umbaus im Februar geschlossen ist. Toll. Einige Cafés und kleine Läden waren dann aber doch noch ganz nett. Der Weg zurück zum Hostel an den Hauptstraßen entlang, den ich die nächsten Tage öfter gehen sollte, aber doch eher langweilig. Nach einer Kaffeepause im Hostel sind wir nochmal getrennt losgezogen. Flo mit dem Rad, ich zu Fuß durch Providencia und zum “Parque de las Esculpturas”.

Am nächsten Tag gingen wir auf die andere Seite des Flußes ins Barrio Bellavista. Dieses ist das “Partyviertel” der Stadt, hier ist das Zentrum des Nachtlebens. Tagsüber macht es deshalb eher einen traurigen Eindruck, auch wenn die Graffitis und Stencils in manchen Straßen schön anzusehen sind. Von da gingen wir weiter ins Barrio Patronato, das “Centro Commercial”. Hier gibt es Unmengen an Outlets und Läden, die billige, importierte Kleidung verkaufen. Dank dieser Läden haben wir jetzt ein paar T-Shirts, eine schicke rote Adidas-Shorts und zwei Röcke mehr dabei ;)
Von da zog es uns zum großen Markt Santiagos, dem Mercado Vega. Das ist eine riesige Markthalle, in der man ALLES bekommen kann. Obst, Gemüse, Käse, Fleisch, Fisch, Haushaltsgegenstände….alles mögliche. Wir deckten uns mit Gemüse und Obst ein. So kam ich in den Genuss zum ersten Mal eine Papaya zu essen, obwohl dies der teuerste Einkauf war den wir tätigten. Sie war ganz lecker, aber getrocknete mag ich lieber. Danch gings dann über die Brücke zur Estacion Mapoche. Einem ehemaligen Bahnhof, den man nach dem Rückgang der Bedeutung des Schienenverkehrs geschlossen hat und in den 1990er Jahren zu einem Kulturzentrum umgebaut hat. Wir hatten uns das interessant vorgestellt, das Gebäude ist auch ganz cool, aber für unseren Geschmack war alles drinnen zu neu, schick und glänzend, eher was für die gehobeneren Schichten. Und die Photoausstellung, die wir uns eigentlich ansehen wollten, war geschlossen, wegen Mittagspause. Nach einem Abstecher zum Bäcker sind wir zurück zum Hostel, zwecks Mittagspause. Bei den hier momentan herrschenden Temperaturen um die 25-30°C konnte man es am frühen Nachmittag in den Häuserschluchten Santiagos einfach nicht aushalten. Am Nachmittag bin ich alleine ins Nationale Kunstmuseum (Museo Nacional de Bellas Artes). gegangen. Nach den Beschreibungen im Reiseführer und im Internet hatte ich gedacht es wird hauptsächlich die Sammlung chilenischer Kunst gezeigt und nur ein paar zusätzliche Ausstellungen zeitgenössicher Kunst. Das Museum gliederte sich aber in 7 Teilausstellungen, von denen nur eine aus Teilen der Sammlung bestand, die aber erstaunlicherweise sehr interessant war. Es handelte sich dabei um eine chronologische Auswahl an Werken aus der Sammlung, von denen viele von Schülern der Academia de la Pintura in Santiago geschaffen wurden. Im Keller befand sich eine Ausstellung des chilenischen Künstler Roberto Matta, zu seinem 100. Geburtstag. Dabei waren ganz nette Arbeiten, aber seine Comic-ähnlichen Zeichnungen haben mir nicht gefallen. Seine Lebensgeschichte und die Liste der Künstler und bedeutender Persönlichkeiten (z.B. Salvador Dalí, Marcel Duchamp etc.) die er kennen gelernt und mit denen er gearbeitet hat, sind beeindruckend.

Am nächsten Tag haben wir uns morgens in den Bus D09 begeben und sind einige Kilometer in die Randbezirke der Stadt zum “Parque por la Paz – Villa Grimaldi” gefahren. Dort war während der chilenischen Militärdikatur ein Gefangenenlager und Folterzentrum der DINA, der chilenischen Geheimpolizei, untergebracht. Hier bekamen wir, ohne Eintritt zu bezahlen, ein topmodernen Audioguide in englischer Sprache und eine Karte des Geländes ausgehändigt. Damit konnten wir uns in unserem Tempo selbstständig über das Gelände bewegen. Uns ist dabei aufgefallen, dass von den wenigen Menschen, die noch dort waren, wir mit Abstand die meiste Zeit auf dem Gelände verbrachten, vielleicht, weil uns das Geschehene wirklich interessiert und wir jeden Text vom Guide gehört haben. Am Ende haben wir dann noch gefragt, wieviele Leute denn im Jahr so kommen: ca. 7000, davon 50% Chilenen. Wir fanden den Parque sehr beeindruckend. Die Sachen die dort geschehen sind und die Geschichten, die das Gelände erzählen kann, sind erschreckend und grausam und deshalb hat es uns so traurig gemacht, dass so wenige Menschen sich das Gelände anschauen. Nur wenn solche Geschehnisse im Bewusstsein der Menschen bleiben ist es wahrscheinlicher, das ähnliche Grausamkeiten NIE WIEDER geschehen! NUNCA MAS!
Am Nachmittag bin ich zum Barrio Brasil gefahren und habe mir auf dem Weg dahin noch die Straßenzüge Toro-Concha angesehen. Hier sind alte, teils leicht heruntergekommene Gebäude vorherrschend und es hat mir sehr gefallen. Insbesondere hat mich die Entdeckung einer Kirche beeindruckt. Die Basilica El Salvador, oder vielmehr das was von ihr über geblieben ist. Die Seitenwände waren abgestützt, durch die Wand des Seitenschiffs konnte man das Gewölbe erkennen und die Skulpturen an der einst wunderschönen Fassade waren kaputt oder halb heruntergefallen. Eine wunderschöne neugotische Kirche in so einem Zustand zu sehen, tat mir im Herzen weh. Wie eine kleine Recherche ergeben hat, wurde die Basilika wohl schon beim Erdbeben 1985 beschädigt, das Erdbeben im Februar 2010 mit einer Strärke von 8,5 auf der Richterskala, hat ihr dann den Rest gegeben. Von da zog es mich weiter ins Zentrum, durch die Einkaufsstraßen zum Palacio de la Moneda, dem Präsidentenpalast. Ein kleines Stück weiter konnte ich dann noch die alten Häuser im Barrio Paris-Londres bewundern.

Am Samstag stattete ich dann noch “La Chascona”, dem Haus Pablo Nerudas in Santiago einen Besuch ab. Eine Besichtigung ist hier nur im Rahmen einer Führung möglich, die aber auch in Englisch angeboten wird. Der Führer war sehr nett und hatte eine angenehme, lockere Art zu erzählen, so dass die Führung trotz der vielen, teils nervenden Fragen eines englischsprechenden Paares, sehr schön, angenehm und interessant war. Am Abend machten wir uns dann auf, zum Estadio Monumental, dem Stadion in dem der Fußballverein Colo Colo Santiago seine Heimspiele austrägt. An diesem Abend wurde gegen den Verein der Universidad de Concepción gespielt. Nach dem Ratschlag des Kartenverkäufers hatten wir uns nicht in den Fanblock oder die Kurve begeben, sondern auf die Gegentribüne, der gegenüber sich die Haupttribüne befindet und leider abends auch die untergehende Sonne. Obwohl Colo Colo durch ein ausgesprochene Lauffaulheit auffiel und sie am Ende 1:2 verloren, war die Stimmung gut. Ein Fußballspiel in Südamerika zu besuchen, gehört eindeutig zum Pflichtprogramm in den Fußball begeisterten Ländern, zu denen auch Argentinien und Chile gehören.

Am nächsten Tag machten wir uns dann mit dem Bus nach Valparaíso auf, die zwischen Santiago und Valparaíso im 10-15min-Takt verkehren. Unser Hostel war sehr schön, etwas ab vom Zentrum aber nicht so schlimm wie befürchtet. Dafür ist es in einem Haus untergebracht, welches wir sofort genommen hätten, um eine Wohngemeinschaft darin zu gründen. Hohe Decken, bunte Wände, große Fenster. Alles schön, alt, und charmant heruntergekommen. In Valparaíso haben wir die meiste Zeit damit verbracht durch die Stadt und die Cerros, die Hügel auf denen die Stadt liegt, zu streifen. Die bunten, alten, teilweise verfallenen und heruntergekommenen Häuser haben uns sehr begeistert. Dazu kam die unglaubliche Masse an Grafittis und Stencils an den Häuserwänden. Es gab kaum ein Haus, das nicht irgendeine “Verzierung” erhalten hatte. Das zusammen gibt der Stadt einen Charme, der sogar Flo erlag. Wir haben uns in Valpo, wie es liebevoll genannt wird, sehr viel wohler gefühlt, denn obwohl es auch recht groß ist und voller Touristen und der Verkehr chaotisch ist, ist es auf seine Art trotzdem viel entspannter und angenehmer als Santiago. Wir empfehlen jedem hierher zu fahren, und wer plant eine Zeit in Chile zu verbringen (zwecks Studium oder so), und die Wahl hat zwischen Santiago und Valpo: geht nach Valparaíso!
Zu den Highlights der Stadt gehören die Aufzüge auf die Hügel, die Ascensor genannt werden und Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurden. Wir haben uns aber entschieden, die Hügel zu Fuß auf den unzähligen Treppen zu erklimmen und das Geld für den Ascensor zu sparen. Als ich mich am letzten Tag entschieden hatte, doch mit einem fahren zu wollen, waren die Beiden die auf meinem Weg lagen, leider nicht mehr in Betrieb. Aber eine Fahrt ist sicher schön und mich hat es schon begeistert sie zu anzuschauen, ob von nah oder fern, oben oder unten.
Nach einem Abstecher zum Hafen bin ich an unserem letzten Tag noch in das Haus Pablo Nerudas in Valparaíso (er hatte mehrere….) “La Sebastiana”. Hier bekam man keine Führung, sondern nur einen eher schlechten Audioguide. Dafür konnte man sich theoretisch frei im haus bewegen, wenn man nicht vom Audioguide zu fixiert war oder die vielen Menschen im Weg waren. Das Haus war ganz schön und interessant, aber das Beste ist eindeutig die Aussicht. Von sämtlichen Etagen kann man die ganzen Hügel sehen und die gesamte Bucht. Sehr beeinruckend. Da man in allen Pablo-Neruda-Häusern keine Photos machen darf, konnte ich diese Aussicht leider nicht festhalten.
Von Valparaíso aus sind wir für einen halben Tag ins benachbarte Viña del Mar gefahren. Hier waren wir im Museo de Arqueología e Historia, das von dem Deutschen Franz (Francisco) Fonck gegründet wurde. Dies hatte im Erdgeschoss eine sehr interessante Ausstellung über die indigenen Stämme der verschiedenen Zonen Chiles. Im Vergleich konnte man so ihre Unterschiede sehen und wie z.B. klimatische Veränderungen ihr Leben beeinflusst haben. Ausgestellt waren Gegenstände ihres täglichen Lebens, die aber auch ihre Handwerkskunst zeigten, wie Waffen, Keramiken und Schmuck. Die andere Hälfte es EG widmet sich der Osterinsel und erzählt, wie die beeindruckenden, kolossalen Steinstatuen (Maoi) hergestellt und an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Außerdem allgemeine Infos zu den Handwerkfähigkeitn und dem Leben auf der Insel. Im obersten Stock fand sich dann noch die alte naturhistorische Ausstellung aus der das Museum früher scheinbar mal bestand, bestehend aus Insekten in Schaukästen und ausgestopften Tieren. Diese wurden aber aufgearbeitet und mit Tafeln versehen, die darauf hinweisen, dass die Jagd seltener Tiere verboten ist, dass sie Leben sollen und keine Trophäen sind, die man sich an die Wand hängen soll. Für uns hatte es eher was von einem Skurrilitätenkabinett. Danach sind wir zum Castillo Wulff gelaufen. Einem Burg-ähnlichen Gebäude das ein deutscher Industrieller auf die Felsen am Ufer gebaut hat. Von hier aus konnte man Vögel beobachten, wie Komorane und Pelikane. Außerdem war die Brandung beeindruckend und ich verstehe jetzt wieso die Strände in dieser Gegend so ein Surferparadies sind. Bevor wir wieder in den Bus nach Valparaíso stiegen, hat Flo sich trotzdem noch am Stadtstrand von Viña del Mar in die Wellen gewagt und ein Bad im Pazifik genommen.

Photos folgen!

[Cora]

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