Uspallata

Nach Coras Text gebe auch ich jetzt noch meinen Senf ab – die Halbzeitanalyse! Santiago stellte für uns die Mitte unserer Reise da. Sowohl zeitlich als auch von der Strecke – wobei wir hoffen, dass wir auf dem ‘Rückweg’ unter den bisher gefahrenen 12.000km bleiben. Nachdem wir jetzt über vier Monate im Süden unterwegs waren und Patagonien und das Seengebiet intensiv bereist haben, nehmen wir uns nun den Norden vor. Das satte Grün lassen wir damit für einige Zeit hinter uns, denn die nächsten Monate werden von den dürren, andinen Sierren, der Atacama-Wüste und dem auf 4000m Höhe liegendem Altiplano bestimmt. Geplant ist Mendoza-Salta-San Pedro de Atacama-Arica-La Paz. Auf der Strecke würden wir mit dem Wagen auf knapp 5000m kommen. Schauen wir mal! Den 3200 Meter hohen Pass nach Uspallata (vor Mendoza) hat der Wagen immerhin genommen, wenn auch unter Ächzen und Stöhnen. Die Geschwindigkeit kratzte bei 15 km/h und die Temperaturanzeige an den 100°C. Also an den Rand fahren, Wagen in Windrichtung parken, Motorhaube auf, Motor laufen lassen, Heizung an. Siehe da, es funktioniert. Wir waren langsam, aber kamen gut an. Kurz hinter dem Pass begann dann auch die Landschaft großartig zu werden. Rote Gipfel säumten den Weg, dazwischen immer wieder gelbe, graue, schwarze Felsen. Auch der Aconcagua, mit knapp 7000 Metern Südamerikas höchster Berg, sagte kurz Hallo. Fahrtechnisch großartig: Beschleunigen, auskuppeln, rollen, Kilometer für Kilometer, das Gefälle war genau richtig dafür.

Nachdem Cora von Städten begeisterter ist als ich, zog es sie nach Mendoza, während ich in Uspallata zurück blieb. Sieben Jahre in Tibet wurden hier gedreht und ein wenig nachvollziehen kann ich es schon. Wenn gleich Tibet eigentlich grauer sein müsste als die rötlichen Berge hier… ich muss mir den Film nochmal anschauen. Unnützes Wissen am Rande: Für den Filmdreh wurden extra Yaks aus den USA eingeflogen. Verrückt. Im Gegensatz zu anderen Requisiten wurden sie aber wieder mitgenommen… die hiergebliebenen füllen nun das Café Tibet an der Hauptkreuzung.

Ich nutzte die Möglichkeit und holte mir für einen Tag ein Mountainbike. So richtig konnte ich die Strecke vom Pass runter nicht genießen – also nochmal mit dem Rad! 90 Kilometer, 1500 Höhenmeter runter. Klingt spaßig? Ja. War unanstrengend? Nein! Normalerweise geht der Wind von Chile nach Argentinien runter – also Rückenwind. Dummerweise hatte ich mir den falschen Tag ausgesucht und mir knallte der Gegenwind ins Gesicht. Beim Bergabfahren treten müssen um nicht stehen zu bleiben… da stimmt was nicht! Statt drei Stunden brauchte ich insgesamt fast fünf für die Strecke und war unten völlig fertig. Die letzte halbe Stunde verbrachte ich im Gewitter, das ich eigentlich unter einer Brücke aussitzen wollte. Dumm nur, dass es eine Stunde später noch immer genau über mir war. Also rauf aufs Rad und Vollgas geben. Das Gewitter sendete einen freundlichen Warnschuss, einen guten Kilometer vor mir schlug der Blitz mitten in die Straße ein. Uncool! Was mir mit kiloweise Metall um mich herum eindeutig fehlte, war ein Faradayscher Käfig. Glück gehabt diesmal, aber es reiht sich ein in die Liste der Erlebnisse, die ich nur einmal brauche.

Unsere Verbindung hier ist grottig, da sie alle paar Minuten abbricht und mit ihr jeder Ladevorgang. Daher werde ich auf Bilder dieser gewaltigen Landschaft erstmal verzichten müssen, was sehr schade ist. Vielleicht können wir es nachreichen, aber es werden immer mehr Geschichten, die wir nur bruchstückhaft erzählen konnten. Wenn wir Zeit (und Strom und Internet) haben, dann fehlt uns häufig die Lust, noch Stunden am Laptop zu verbringen. Und die kommenden 1250 km wird es kaum besser, da wir weit ab von größeren Städten durch die Anden fahren. Wir werden der Ruta 40 für knappe tausend Kilometer folgen, bevor wir dann nach Salta in die Tiefebene rollen. Dementsprechend werden wir wahrscheinlich häufiger in der Sierra stehen als auf einem Campingplatz. Also bleibt es hier die nächste Zeit unter Umständen etwas ruhiger.

[flo]

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