Ruta 40: Von Uspallata nach Salta

Mal wieder was zu feiern: Stolze 400.000 km zeigte unsere Alte Dame an, nachdem wir kurz hinter San Juan auf die Ruta 40 einbogen. Und sie läuft und läuft und läuft…


!

Einige hundert Kilometer zuvor starteten wir in Uspallata. Unser erstes Ziel war der P.N. El Leoncito, ein Nationalpark, der zwei Observatorien und eine Menge Wüstenlanschaft umfasste, eingebettet in 4000er. Im Park angekommen die erste Überraschung, entgegen unserer Vermutungen gab es zwei ‘Senderos’ und einen kostenlosen Campingplatz mit heißem Wasser. Jackpot! Das dachten sich auch andere und so standen wir in illustrer Runde: Unsere Alte Dame neben einem Chevrolet-Pickup mit Kabine, einem selbstausgebautem Iveco-Kasten (für die ganze Familie) und einem LKW-artigem Deutz. Wobei man mit neun Tonnen auch so als LKW durchgeht. Soviel deutsch auf sowenig Platz, aber es sehr war schön wieder mal etwas quatschen zu können und sich auszutauschen! So blieben wir dann auch zwei Nächte und genossen die entspannte Atmosphäre. Am ersten Abend besuchten wir eines der beiden Observatorien. Für uns ‘Neulinge’ war es interessant den vollen Mond oder den Jupiter samt seiner Monde durchs Teleskop zu sehen. Etwas schade, dass es durch den Mond blendend hell war.


das einzige Grün im Nationalpark


Abendstimmung im Park, auf dem Weg zum Observatorium


eins der fünf wissenschaftlich arbeitenden Observatorien in Argentinien

Am Tag drauf machten wir erstmal nichts, der Hitzeschock hier musste erstmal verdaut werden. Jeden Tag über 30°C, wir trinken ohne Pause und trotzdem sind wir halbvertrocknet. Abends wagten wir uns auf den 4-Stunden-Wanderweg, den wir nach etwas mehr als zwei Stunden absolviert hatten. Die Landschaft war wunderschön, aber wie üblich sagen Bilder mehr aus.


Gipfelblick vom Cerro Leoncito, einem kleinen Hügelchen und doch 2500 Meter hoch

Unsere Reise führte uns dann durch sensationelle Landschaften nach Calingasta. Der Ort wurde, in Ermangelung an Tankstelle oder Mini-Mercado, schnell links liegen gelassen. Durch enge Täler ging es bergab, bergauf, bis wir schließlich am Ende des Tages auf der Ruta 40 landeten, wo wir dann just die erwähnten 400.000 vollmachten. Und weil Argentinien ein verrücktes Land ist, fanden wir nach einer halben Stunde Fahrt durch die Einöde eine Pilgerstätte mit Unterstand, Tischen, mehreren Grills und Strom. Also Campingplatz gespart und schlafen gelegt. Im Bus hatte es über 30°C und unsere Hoffnungen auf eine kühle Nacht hatten sich spätestens mit dem ersten Morgenlicht zerschlagen. Im eigenen Saft vegetierten wir vor uns hin… der Zustand sollte einige Tage andauern.

Von der unbekannten Pilgerstätte führte uns die Ruta 40 durch spektakuläre Landstriche weiter und weiter nach Norden. In San José de Jachal gab es wieder überteuerten Sprit und dafür billiges Eis und noch billigeres Gemüse. Kartoffelsuppen-/Nudel-Woche war angesagt. Eigentlich wollten wir in Chilecito unterkommen, der größten Stadt bis dato (mit knapp über 20.000 Einwohnern), aber es gab kein Campingplatz und die Stadt war katastrophal stressig. Wir fuhren bestimmt eine Stunde durch enge, überfüllte Straßen, nur um ein paar Liter Diesel abzustauben. Überteuert, natürlich. Wir endeten 15 Kilometer nördlich in der Steppe, zwei Kilometer von der Ruta 40 entfernt. Nachdem in der Tageszeitung geschildert wurde, dass (bewaffnete) Raubüberfälle entlang der Straße zunehmen, wollten wir uns nicht auf dem Präsentierteller servieren. Letztlich ein sehr schöner Stellplatz… nur warm. Viel zu warm.

Weiter und weiter ging es, Kilometer um Kilometer legten wir zurück. Auf der Straße: Ziegen, eine Maultierherde, Pferde, ein Stier. Ab und zu ist der Asphalt wieder weg. Auf der eigentlich asphaltierten Straße. Wieder 35 km Ripio. Halbtote Steppe, dann plötzlich ein Fluss in der Nähe, alles grünt, Papageien fliegen umher. In einen Canyon rein, plötzlich nur noch rotes Gestein, die Schotterpiste ist rot und die Staubschicht auf unserem Bett auch. Riesige Kakteen säumen die Piste. Hin und wieder ein anderes Auto, gelegentlich auch ein LKW, sonst: Leere. Mein Fahrstil nähert sich der Ideallinie an. Szenenwechsel, Asphalt immer gradeaus. Dafür alle hundert Meter ein Flussbett. Über die Straße. Wenn es regnet, dann viel, und dann wird aus der Steppe ein Meer aus reißenden Flüssen, und die Straße führt mitten durch. Brücken waren wohl nicht geplant, statt dessen geht es jedesmal in eine Senke (die natürlich kaum einsehbar ist), durch die der Strom dann fließen kann. Dabei bleibt allerhand auf der Straße, Staub, Sand, Steine, Schlaglöcher, manchmal fließt auch tatsächlich noch Fluss. Unsere Alte Dame kann ja schwimmen, also mit 70 durch. Erst spritzt es nur an der Seite meterhoch, dann kommt es irgendwie auch über die Motorhaube, Scheibenwischer an, weiter gehts. Nachmittags werden wir in Belén angehalten, Fahrradrennen. Nachdem ein paar Rennradler vorbei sind, dürfen wir weiterfahren, eine halbe Stunde später kommt das Hauptfeld, 30 gequälte Radfahrer, die der Nachmittagssonne trotzen.
Die Nacht wieder ein paar hundert Meter vom Straßenrand weg, diesmal in der Nähe menschlicher Besiedlung. Ob es sicher ist? Eine Viertelstunde nachdem wir angekommen sind, kommen zwei Jungen vorbei, schenken uns einen Leib Brot und rennen weg. Verrückt.


traumhafte Piste


aufs Gaspedal und durch

Wir kommen irgendwann in Londres an, einem kleinen, verschlafenen Dorf. Wobei, verschlafen ist hier alles. Von Londres geht es zu den Inka-Ruinen von Shinkal. Wir sind alleine auf dem riesigen Gelände, es ist Mittag und natürlich viel zu heiß. Dafür fruchtbar, neben Milliarden Ameisen und fliegendem Gedöns werden wir von unzähligen Heuschrecken umschwärmt. Wir erklimmen einen der beiden Berge, die mit ihren Steintreppen fast aussehen wie Pyramiden, und blicken auf satt-grüne Wiesen, gesäumt von vielarmigen Kakteen. Unglaublich, wieviel verschiedene Eindrücke man innerhalb einiger Tage bekommen kann. Zeit und Raum lösen sich irgendwann auf, man fährt, kommt an, macht Essen, schläft. Am nächsten Morgen die kurze Kühle genießen und weiter. Am sechsten Tag nach Uspallata (oder der siebte?) holpern wir nach Quilmes, eine weitere Ruinenstädte. Die Quilmes haben die Inkas überlebt, nicht aber die Spanier – die verbrannten ihre Felder und hungerten die wehrhaften Indigenen aus. Wer überlebte, wurde versklavt. Wie herausragend doch die westliche Leitkultur ist.


Ruinen von Shinkal


unterwegs nach Quilmes, durch ein Blütenmeer in der Wüste


die Ruinen von Quilmes

Nach Quilmes war es nur noch ein Katzensprung bis Cafayate, einem gemütlichen, dem Tourismus durchaus aufgeschlossenem Winzerort. Kalt duschen! Einkaufen! Naja, das dann doch nicht. Es ist Sonntag, alles hat zu. Bis auf die Coca/Bica-Bude: Hier oben ist der Verkauf von Koka-Blättern erlaubt, dazu gibt es Bicarbonat, da im alkalischen Milieu die Wirkstoffe besser freigesetzt werden. Soll hervorragend gegen die Höhenkrankheit helfen, wir werden es sehen, auf >4500m… verträglicher als Dexamethason ist es bestimmt. Aber bis dahin ist noch etwas Zeit. Wir genießen hier erstmal den Luxus, den ein Campingplatz zu bieten hat, decken uns mit etwas mehr als Kartoffeln und Nudeln ein und freuen uns, dass wir die letzten sechs Tage fast ausschließlich für Sprit gezahlt haben… was bei über hundert Litern aber auch nicht wenig ist. Heute nachmittag rollen wir langsam los, bis Salta sind es noch 185 Kilometer und die erste Hälfte der Strecke soll eine der schönsten Straßen Argentiniens sein. Vor uns liegt der Quebrada (Canyon) de Cafayate, der in allen Farben leuchten soll… wir sind gespannt!

[flo]

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One Response to Ruta 40: Von Uspallata nach Salta

  1. Paddy says:

    Ach, das klingt echt gut! Ihr kommt echt zügig und voran! … jetzt scheint ja auch jedes Bauteil einmal ersetzt worden zu sein :) Und wegen der Hitze… könnt ihr nicht irgendwie auf dem Dach vom Bus übernachten?
    Bei mir sinds noch etwa 3 Wochen bis Erlangen -> Endspurt! :)

    machts gut!
    Paddy

    PS: Inzwischen hängt die große Weltkarte wieder und eure Route wird dort quasi live nachgepinnt ^^

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