Quebrada de Conchi & Salta

Wir haben das erste Mal seit Cafayate wieder WLAN – auf dem Plaza von San Pedro de Atacama. Da sich die Landschaft vor allem in den letzten Tagen immer wieder aufs neue überboten hat und wir unsere Erlebnisse nicht in wenige Zeilen Text pressen können und wollen, werden wir den eigentlichen Mammut-Post (geschrieben über fast zwei Wochen) zerstückeln und veröffentlichen dafür jeden Tag (oder jeden zweiten) ein Teil. Viel Spaß!

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Von Cafayate waren es noch zweihundert Kilometer bis Salta. Zweihundert Kilometer… wenn man vorher eineinhalbtausend gefahren ist, dann klingt das so wenig, aber mit jedem Kilometer mehrte sich die Unlust, auch nur noch zehn Minuten mehr zu fahren. Dabei war die Strecke außerordentlich schön, vor allem auf der ersten Hälfte. Diese führte durch einen Canyon, der weder sehr tief, noch sehr steil war, dafür aber mit seinen leuchtenden Farben ein Highlight der Provinz Salta darstellt. Entlang der Strecke waren alle paar Kilometer die interessantesten Abschnitte markiert und so fährt man optimalerweise Stop-and-Go. Einiges haben wir ausgelassen, vor allem, da das Wetter nicht so mitspielte. Abends sollte es am schönsten sein, klar, Abendsonne, aber von der bekommt man unter dichten Gewitterwolken wenig mit. So entschieden wir uns bereits 25 Kilometer hinter Cafayate, die Tour sein zu lassen und uns ein lauschiges Schlafplätzchen am Straßenrand zu suchen. Wir fanden passenderweise vor einer der Sehenswürdigkeiten einen passenden Parkplatz und verbrachten die Nacht mit dem ‘Obelisken’ neben uns. Dieser ist etwa 35 Meter hoch und über Jahrtausende durch Erosion entstanden… und so weiter. Der reißende Fluß auf der anderen Straßenseite machte uns schon frühzeitig klar, dass auch in halbwüstenartigen Gebieten durchaus Regen fällt und dass die angeblichen 360 Sonnentage von Cafayate als eher humoresker Beitrag zur Standortpreisung durchgehen. Während es bei Sonnenuntergang (der jetzt übrigens schon um halb acht ist, dabei sind wir doch patagonische Verhältnisse gewohnt, niemals vor halb elf dunkel, aaah!) weit entfernt am Horizont blitzte und aus der Ferne grollte, konnten wir das Gewitter zwei Stunden später live erleben. Ums uns herum erhellte sich der Himmel in aller Regelmäßigkeit. Also die letzten Akkureserven nutzen, offline-Wiki anschmeißen und: wie war das nochmal mit Faraday und dem Auto? Mit der Zeit wurden wir jedoch entspannter, da es zwar fröhlich blitzte, doch nirgendwo um uns herum einschlug. Dabei hätte ein ordentlicher Blitz so gut ausgesehen im Obelisken! Irgendwann siegte dann auch der Drang nach Bildern über die Vorsicht und ich machte noch ein paar Blitzaufnahmen. Blitze sind nicht zu sehen, haha, aber es ist trotzdem ganz nett anzuschauen.


Abendstimmung


Gewitter-Nacht-Stimmung am Obelisken


Morgenstimmung am Obelisken

Am Tag drauf, es war wieder friedlich und wolkenlos, machten wir uns weiter, um die angeblichen Schönheiten des Canyon zu erkunden. Die ersten Sonnenstrahlen brachten die Umgebung zum leuchten, danach ging es nur noch in zwei Schluchten rein – einmal das Amphitheater, was sehr beeindruckend war, und dann noch die Teufelsschlucht. Alles herrlich anzusehen, aber langsam bekomme ich das Gefühl, dass wir etwas saturiert sind. Sei verdammt, Patagonien… Nunja, es geht ja bald aufs Altiplano und da erwarte ich noch einige Kracher.


kleines Spinnchen vorm Amphitheater… hatte auch noch jede Menge Nachwuchs im Netz


das Amphitheater

In Salta angekommen wartete einer der angeblich besten Campingplätze Argentiniens auf uns, und zwar mit einem unscheinbaren ‘cerrado’-Schild. Wegen Überholungsarbeiten geschlossen, ist ja kein Sommer mehr. Sagt sich einfach, so bei 32°C im Schatten. Natürlich war es auch der einzige Campingplatz im Umfeld, also was tun? Rein ins nächste Internetcafé, bei google-maps geschaut und siehe da, in Vaqueros, 12 Kilometer nördlich, sollte es den nächsten Platz geben. Direkter Weg: Mitten durch Salta. Verdammt! Rein ins Auto, noch schnell tanken gefahren: Wir dürfen nur 20 Liter tanken. Aha. Mal wieder kein Diesel, was? Aber das wundert uns nicht mehr, am Wochenende gibt es kein Geld bei der Bank, unter der Woche kein Sprit an der Tanke… so ist das hier. In Vaqueros zeigte sich, dass ‘Camping’ in Argentinien durchaus abweichende Bedeutung haben kann, zum Beispiel: Man fährt mittags mit der Großfamilie hin (typischerweise sechs bis neun Personen in einem heruntergekommenen Ami-Pickup), schürt Feuer, wirft ein halbes Rind oder auch mal ein Lamm auf den Grill, fährt vollgefressen zurück – nur campen, das macht man dort nicht so. Nach einer kleinen Odysee durch den Ort – dem Verkehrspolizist muss es bei unserer dritten Durchfahrt langsam suspekt vorgekommen sein – landeten wir an einer Hosteria, deren Besitzer einen Angehörigen hatte der einen Freund hatte der eine Mutter hatte die eine Hosteria mit Garten besaß in dem wir stehen konnten. Soso! Zum Plaza gefahren, die Mutter eingeladen (der Sohn hatte ihr unser Auto beschrieben, aber so unauffällig sind wir ja auch nicht), mit ihr in die Peripherie gefahren und hier stehen wir. Es fühlt sich sogar richtig gut an, so authentisch, so… echt. Wir sind mittlerweile im subtropischen Gürtel der Provinz gelandet und um uns herum tobt das Leben. Die Temperatur ist endlich ertragbar, da es wieder gewittert hatte und die ganze Nacht sintflutartige Regenfälle gab. Im Camper war das diesmal ganz angenehm, wir standen sicher, hatten jede Menge Blitzableiter um uns und mussten nicht befürchten, durch eine Springflut weggespült zu werden. Nicht, dass es die nicht gegeben hätte: Als wir heute morgen die Straße gen Bushalte schlenderten, war diese von unzähligen Brocken übersät, die Folgen der Nacht waren unverkennbar. An der Hauptstraße stand Polizei und das lokale Radio und, tadaa, es hat soviel geregnet, dass die Wasserversorgung zusammengebrochen ist. Ich erspare mir einen Kommentar darüber. Geschickterweise ist gleichzeitig unser 70-l-Wassertank leer gegangen, kann man ja jederzeit auffüllen hier, haha…

Von Salta erwarteten wir uns mal wieder mehr, als die Stadt zu bieten hatte. Trotzdem war es nett, wieder etwas metropolisches Ambiente zu haben. Wir waren ausgiebig Eisessen, haben die Einkaufsmöglichkeiten genutzt und das Museum für zeitgenössische Kunst besucht. Der Großteil der Ausstellung bestand aus Fotografien eines argentinischen Künstlers. Was für ein Rotz! Ich bin Fotografien gegenüber zwar kritisch, aber aufgeschlossen. Trotzdem, fast alles was ich bisher in den hiesigen Museen gesehen hatte, war digitaler Bearbeitungskitsch, kaum von gezeichneten Plastikwelten unterscheidbar. Wenn das die digitale Revolution ist, will ich kein Teil von ihr sein. Aber das will ich ja eh nicht, die siebzig Rollen Film im Kühlschrank zeugen davon (:

[Fortsetzung folgt]

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