Paso de Jama

Von den Salinas Grandes, die auf 3400 Meter lagen, zog sich der Weg hoch über das hässliche, offenbar ausgestorbene Susques bis schlussendlich Jama, der Grenz-Ortschaft (die darin ihren einzigen Zweck hat) auf 4100 Metern. Die Strecke führte uns vorbei an riesigen Salzseen, durch unwirkliche, mal vertrocknete, mal lebendige Landschaften. Die ersten Lamas waren wenig beeindruckt von unserem Hupkonzert, das sie von der Straße treiben sollte.


wenig frequentiert, die einzig geteerte Nord-Verbindung zwischen Argentinien und Chile


epic!

Eigentlich wollten wir wieder an einem Salzsee stehen, aber die wunderschön geteerte Straße hatte leider einen zu hohen Seitenwall und mit dem Unterboden aufsetzen ist dann doch nicht so toll. Der erste Standplatz lag kurz vor Jama, den mussten wir aber wegen heftigen Windböen aufgeben.


kurz vor Jama


Vulkane saeumen den Weg (wer Spass dran hat, kann bei googlemaps mal nach dem Paso de Jama suchen, etwas nach Westen gehen und sich das Gelaende anschauen – da sieht man, dass eigentlich jeder Berg vulkanischen Ursprungs ist)

Also reisten wir am Abend noch offiziell aus und verbrachten die Nacht in Straßennähe. Die Höhe machte mir etwas zu schaffen – Cora war richtig fit -, noch problematischer war jedoch die Kälte. Kaum war die Sonne weg, zeigte das Thermometer nur noch knapp über null Grad an. Also Kühler öffnen, Flüssigkeit abschöpfen, mit Frostschutzmittel auffüllen und nochmal laufen lassen. Selbst das Laufen lassen wurde zu einem Problem, gibt es hier doch keinen Winterdiesel, mal abgesehen davon, dass der Motor im Leerlauf klingt, als wuerde er jeden Moment seinen Dienst quittieren. Innen schmissen wir erstmals die Heizung an und freuten uns über das bisschen Wärme, außerdem entleerten wir den Wassertank komplett. Richtige Entscheidung! Morgens, kurz vor Sonnenaufgang, war das Thermometer an der Grenze der Anzeige – und die liegt unter -10°C. So wurde es dann auch nichts mit dem Losfahren, wir versuchten es erst gar nicht und warteten bis halb elf. Mehrfach vorglühen, Anlasser umdrehen: der Bus orgelt, raucht heftig und das war es. Verdammt. Diesel versulzt? Choke an den Anschlag gedreht (darüber lässt sich die Einspritzmenge regulieren), nochmal georgelt, angesprungen. Yippie! Monströse Rauchwolken nebelten uns ein, aber wir konnten unsere Fahrt fortsetzen und schneckten den Paso de Jama, 4200 Meter, hoch. Das ist etwas verwirrend: Der Grenzpass ist zwar bei 4200 Metern und bei Blick in die Karte freut man sich, nicht höher zu müssen. Nach dem Grenzpass kommt aber erst die richtige Steigung und es geht hoch bis auf 4850 Meter! Das war dann auch für den zweiten Gang zuviel und wir mussten in den übersetzten Berggang wechseln, da wir es sonst nicht hochgeschafft hätten. Sonderausstattung hurra!

Die Strecke vor und nach dem Pass war ein absolutes Highlight. Wunderschöne Altiplanolandschaft. Es war wie eine andere Welt und ich habe Schwierigkeiten, das in Worte zu fassen. Es fehlen einfach die Superlative dafür. Also lassen wir mal wieder Bilder sprechen.


Salar de Jama, an dem wir eigentlich die Nacht verbringen wollten


der naechster Salar, den Namen habe ich leider nicht mehr…


beeindrucken konnte er uns trotzdem


noch mehr beeindrucken konnte uns jedoch der Salar de Aguas Calientes, der mit fast schwarzem Wasser, einem der seltenen Jamesflamingos und einer Herde Vicuñas aufwarten konnte


Rueckseite des Salars


wir schrauben uns langsam nach oben


trockene Landschaften auf 4500 Metern


Laguna Verde in Bolivien – wir sind nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt (und erfahren spaeter, dass diese des oefteren von bewaffneten Bolivianern zur Autoerbeutung genutzt wird…)

San Pedro de Atacama liegt auf 2470 Metern, entsprechend ging es auf den letzten 45 Kilometern über 2000 Höhenmeter runter. Das war, trotz moderatem Einsatz, zuviel für unsere Bremsen. Nach leichtem Brandgeruch sind wir sofort runter von der Straße, aber die linke Vorderbremse qualmte schon fröhlich vor sich hin und bedurfte fünf Liter Wasser, um runterzukühlen. Uncool! Nach einer Stunde wollten wir unsere Fahrt fortsetzen, aber der Wagen wollte nicht: Bei jedem Anfahrversuch ruckelte er ohne Ende. Also zweiten Gang rein und langsam bei Motorbremse runterrollen… irgendwann fuhr er auch wieder. Dieses Auto kostet Nerven! Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass das Problem bei der Kombination aus Dieselfilter/Luft-Diesel-Gemisch lag… haha, da kommt noch ein kleiner Mechaniker raus [oder auch nicht].


wenigstens war die Aussicht gut – Vulkan Licancabur, knapp 6000 Meter

Die Grenzkontrollen waren schnell erledigt, neben den üblichen Schränken schaute der Beamte in den Kühlschrank, deutete auf meine Tüte mit Mittelformatfilmen und fragte, was das ist. Ich entgegnete, dass es ‘Fotografia’ sei, worauf er reichlich irritiert reagierte. Auf seine Nachfrage reagierte ich ebenso irritiert und wiederholte es nochmal, dann kam raus, dass er ‘Pornografia’ verstanden hatte… ob man das hätte verzollen müssen? Oder gibt es ein Einfuhrverbot?
Wie auch immer, jetzt stehen wir hier in San Pedro, genießen nach den Tagen in der Höhe die Dichte der Luft und die wärmenden Sonnenstrahlen. San Pedro ist eines der touristischen Epizentren und ist es, ähnlich wie Pucon, wohl zurecht. Hundert Kilometer entfernt liegt das Geysirfeld von El Tatio, ums Eck ist das Valle de la Luna und rund herum natürlich die Atacama samt des Salar de Atacama. Aber das kommt dann die nächsten Tage…

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