Arica nach La Paz: P.N. Lauca & Sajama

Die Fahrt von La Paz, planmäßig die letzte große mit unserer Alten Dame, begann mit einem endlosen Aufstieg. Die Grenze nach Bolivien liegt, 200 Kilometer hinter Arica, auf etwa 4500 Metern. Auf dem Weg dorthin ging es hoch und runter, also viel zu arbeiten für unseren Wagen. Zunächst fuhren wir nur hundert Kilometer. Am Wegrand war ein ‘Happy-not-Hippie-Gasthaus’, das mit einem Gasthaus nicht viel zu tun hatte, dafür aber von einem herzlichen, freakigen Pärchen geführt wurde. Es hatte was von Öko-Bauprojekt, das überall angefangen und nie zuende geführt wurde. Aber es gab das erste Mal seit fast einer Woche wieder eine Dusche und die Höhe von 3000 Metern eignete sich gut für die erste Übernachtung. Unsere Akklimatisierung vom Jama-Pass ist leider wieder hinfällig und jetzt müssen wir erneut durch Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Atemnot. Naja. Kann man nichts machen, was?

Am folgenden Tag machten wir uns an die 45-Kilometer-Etappe (oder: eineinhalb Stunden) nach Putre. Dabei fielen vor allem die Wolken und das satte Grün der Berge auf. Eigentlich sollte es im April nicht mehr regnen, aber eigentlich ist es hier auch nicht grün, sondern wüstig braun. Der Wegrand war gesäumt von wunderschönen blauen Blumen und wir fühlten uns für kurze Zeit wieder in den patagonischen Frühling zurückversetzt. Kurz vor Putre fing es dann tatsächlich an zu tröpfeln und sollte den Tag auch nicht mehr aufhören. Schade, denn die Landschaft sah auf der Fahrt großartig aus. Zurzeit haben wir eine Sichtweite von weniger als fünfzig Metern, es plätschert leise auf unserem Dach und langsam wird es bitter kalt.
Unsere Erwartungen an Putre haben sich leider nicht ganz erfüllt, auch wenn mich das verschlafene Örtchen mit seinen gepflasterten Steinstraßen angenehm an Nepal erinnert: Die laut chilenischer Karte existierende Tankstelle gab es noch nie. Der Postmann hätte uns dafür 20 Liter seines Diesels verkauft, aber der reicht zur Not auch noch bis La Paz. Enger wäre es beim Frostschutzmittel geworden, das haben wir in Arica an der Tanke nicht mehr bekommen und haben es unverständlicherweise nach Putre aufgeschoben. Keine Tanke, kein Frostschutzmittel. Aber wir haben unsere Rechnung ohne die herzensguten Menschen hier gemacht. Bei den Zuständigen für den Straßenbau nachgefragt, die haben uns ihre Reste abgedrückt. Die nächste Gelegenheit ergab sich bei einem der wenigen geöffneten Hotels. Das Besitzerpärchen war unglaublich freundlich, erklärte uns die seltsame Wetterlage und mehr und gab uns schließlich für ein paar Pesos zwei Liter Frostschutzmittel. Das war bitter nötig, denn ab -12°C wäre der Kühler sonst gefroren. In einigen Tagen schlafen wir wahrscheinlich auf über 4400 Metern und auf ‘Warmwetter’ mit -12°C dürfen wir in klaren Nächten nicht hoffen. Schließlich haben wir sogar noch eine passende Schlafgelegenheit gefunden – wir parken vor einem Mix aus Reisebüro und Lodge, können Bad und Dusche nutzen und haben Strom. Yippie, Luxus (:

[...]

Nach Putre begaben wir uns gen Parinacota, einem winzigen Bergdorf auf etwa 4400 Metern Höhe. Nach 15 Kilometern war jedoch erstmal wieder Schluss: Bauarbeiten, die uns zwangen, ein wenig zu warten, da nur eine Spur offen sei. Aus dem wenig warten wurde eine Stunde, bis der Konvoi bolivianischer LKWs durchgerauscht war und wir endlich weiterkonnten. Nach einem Spaziergang auf 4300 Metern ging es für die Nacht dreihundert Höhenmeter runter, erst am nächsten Tag waren wir fit genug, um in Parinacota zu schlafen.


nicht grade bestes Wetter… vor dem Altiplano stauen sich die Wolken


jede Menge Vicunas…


… und Viscachas…


…sowie, hundert Meter weiter, etwas suspekte bolivianische Tanklaster. Aber wir brauchen gar nicht mit dem Finger drauf zeigen, wenn wir auf 4300 Metern aufs Gas treten, dann schaut das dank mangelnder Verbrennung schon ähnlich desaströs aus =/

In Parinacota löste sich das übliche Stellplatzproblem sehr schnell: Wir standen auf dem Dorfplatz, direkt vor der Kirche. Machte auch nichts, in dem Ort schienen nur ein gutes Dutzend Menschen zu leben. Den Nachmittag spazierten wir einmal rundherum und konnten die wunderschöne Altiplano-Landschaft genießen, die satten Weiden mit ihren Lamas und immer wieder die fünf- und sechstausender am Horizont.


der Parinacota


das Bofedal, eine sumpfartige Weidelandschaft…


…voller Lamas


die goldene Stunde. Ich liebe das Abendlicht des Altiplanos.


die Dorfkirche – zu der niemand der anwesenden Bewohner den Schlüssel hatte :D

Die Nacht in Parinacota wurde bitterkalt, so kalt, dass sich der Motorblock noch am kommenden Mittag wie ein Stück Eis anfühlte. Beste Startbedingungen! Ein paarmal vorglühen, Anlasser drehen – viel Rauch, sonst nichts. Das wiederholte sich etwa zehnmal, bis ich einsah, dass der Wagen nicht zu starten ist. Also was tun? Immerhin wollten wir bis Bolivien fahren und das war noch ein Stück. Das Ende vom Lied waren fünf Männer, die den Wagen anschoben und ihn bis an das Ende des Platzes brachten, an dem die Straße abschüssig aus dem Dorf führt. Also Kupplung getreten lassen bis der Wagen ordentlich Geschwindigkeit hatte, zweiten Gang rein, Kupplung kommen lassen, dabei Anlasser drehen, bremsen, auskuppeln und ordentlich aufs Gas treten. Glück gehabt, denn nach einigem Geblubber trat eine Rauchwolke ungeahnten Ausmaßes hervor und die Überfahrt nach Bolivien konnte beginnen. Dabei passierten wir zwei Lagunen, eine davon auf mehr als 4500 Metern einer der höchstgelegenen größeren Seen der Welt. Dahinter ragte der perfekte Konus des erloschenen Volcan Parinacota auf – ein großartiges Bild.


Laguna… Cotacopani? Oder so.

Die Straße war, trotz oder wegen der hohen Frequentierung, tendenziell eher eine Katastrophe. Felsbrocken auf der Straße, riesige Löcher – mit etwas Slalomfahren war die Strecke zur Grenze jedoch zu machen. Und da begann dann der Spaß…
Zunächst: Die Grenze war ein fast schon klischeehaftes Drecksloch. Staubig, grau, laut, voll, anstrengend, chaotisch, unübersichtlich. Die Passkontrolle und die Personenaus- und -einreise gingen schnell, auch der chilenische Zoll war flott erledigt. Danach mussten wir nur noch den Wagen nach Bolivien einführen. Einfacher gesagt als getan, im Gegensatz zu Argentinien und Chile ging das nicht in ein paar Minuten. Erstmal wurde wir ein wenig hin- und hergeschickt, bis wir schließlich in einem kleinen Verschlag landeten. Dort gaben wir das ausgefüllte Zolldokument ab – das ausfüllen hätten wir uns sparen können, denn der Beamte fragte uns zu jedem Eintrag. Unsere deutschen Papiere musterte er zwar interessiert, aber offenbar konnte er wenig damit anfangen. Wir hatten in Vorahnung alles wichtige kopiert und ihm ausgehändigt, aber dass Fahrzeugschein und Führerschein auf einem DinA4-Papier waren, machte die Sache nicht einfacher. Immerhin ließ er sich von uns helfen und nach einiger Zeit war auch der Eintrag im PC und wir bekamen das gestempelte Papier. Fertig? Denkste. Nach der bezahlten Straßenmaut wollten wir grade losrollen, als uns ein Grenzbeamter zurückwinkte. Offenbar sollte ich nochmal alle Daten in ein Buch schreiben lassen, warum auch immer. Gemacht getan, auch wenn der gute Mann Automarke und anderes so fürchterlich falsch schrieb, dass er es auch hätte sein lassen können. Danach ging es dann erst richtig los: Feuerlöscher, Warndreieck, Verbandskasten… die ganze Nummer. Hatten wir natürlich alles, wahrscheinlich im Gegensatz zu den hiesigen Truckfahrern. Es endete damit, dass Cora noch 20 Bolivianos (2€) Gebühr zahlen musste. Zu dem Zeitpunkt waren wir beide schon so durch, dass wir nur noch weg wollten – gezahlt und siehe da, wir konnten fahren. Super Sache, keine Stunde in Bolivien und schon an korrupte Beamte geraten. Das konnte ja nur besser werden. Wir fuhren noch schnell tanken, was wir wohl auch hätten lassen sollen, aber dazu später, und mit vollem Tank rollten wir nach Sajama im gleichnamigem Nationalpark. Die Zufahrt war interessant bis katastrophal, aber ich glaube, ich würde gerne mal Rally fahren. Sajama war ein gar nicht mal so kleines, sehr angenehmes, ursprüngliches und ruhiges Dorf in einer monumentalen Landschaft, und wie der Zufall es so wollte, klopfte es am späten Nachmittag an unserer Tür – und Christian und Nana standen einmal mehr vor uns. Schön sich endlich wiederzusehen!

Der Sajama-Nationalpark wurde uns als eine der schönsten Stellen Boliviens empfohlen. Jetzt haben wir von Bolivien noch nicht viel gesehen, aber zumindestens für mich ist die Ecke eines der schönsten Fleckchen Erde, das ich bis dahin gesehen habe. Von der Fernstraße Bolivien-Chile geht es über zwölf Kilometer Dirtroad um den Vulkan Sajama, mit knapp 6500 Metern der höchste Berg Boliviens herum, um im Dorf zu landen. Das Dorf liegt in einer weiten, satt-grünen Ebene, die von fünf- und sechstausendern umgrenzt wird. Egal in welche Richtung man läuft – spätestens nach ein paar Minuten findet man die ubiquitären Lamas.


Auf nach Sajama!


diese Landschaft. Ich werde spätestens in einem Jahr in Sehnsucht danach ertrinken.

Nachdem wir am ersten Abend noch ein Schulfest (der 34. Schulgeburtstag?) mitverfolgen durften und ich mich über die schiefe, aber gerade deshalb stimmungsvolle Kapelle freuen durfte, liefen wir am folgenden Tag mit Christian und Nana nach Norden zum Geysirfeld. Nach zwei Stunden war dieses erreicht und theoretisch hätte man einen großartigen Übergang nach Chile machen können, mit einer handvoll Lagunen auf dem Weg – hätte Chile nicht sauber die gesamte Grenze vermint.


der Sajama


auf dem Weg zu den Thermen


eines der kleinen Gehöfte, die rund um Sajama liegen

Das Geysirfeld war jedoch alle Mühe wert (auf 4300 Metern läuft es sich auch gradeaus nicht mehr so einfach). Aus etwa 80 Basins sprudelt und dampft es hervor. Teilweise war das Wasser glasklar und man konnte metertief reinschauen. Wahrscheinlich liegt unter der ganzen Ebene ein unterirdischer See, der sich dann von Zeit zu Zeit durch die Oberfläche bricht. Das würde erklären, warum der Boden auf der Höhe so warm war. Zelten würde bestimmt Spaß machen.


das orangene außen rum sind übrigens keine Ablagerungen, sondern thermophile Bakterien oder Algen

Als wir entspannt im Auto waren und ich grade Café kochen wollte, merkte Cora, dass der Schlüsselbund für den Wassertankdeckel fehlte. Wassertank… da ist doch auch der Schlüssel für den Dieseltankdeckel dran. Fenster auf, rausgeschaut – scheiße. Kein Tankdeckel. Kein Schlüsselbund. Die mussten gemeinsam noch oben an der Tanke der Grenzstation liegen. Mitsamt allen anderen Autoschlüsseln – Sicherheitsschloss, Türschloss, Safe. Aaaah! Mit Christians Spanisch-Hilfe hatten wir mehr oder weniger schnell ein Taxi organisiert, das uns an die Tanke hochfuhr (übrigens, um zu unterstreichen, das Bolivien tatsächlich sehr viel billiger als Chile/Argentinien ist: 33km Strecke, hin und zurück für 10€… dafür gabs keine Gurte). Die Fahrt war irritierend, zum einen die Nervosität angesichts der Schlüssel, zum anderen ein unglaublicher Sonnenuntergang – die Sonne hat man nichtmal gesehen, aber die Wolken nahmen sämtliche Farben zwischen gelblich und tief-rot an. Und seltsamerweise war oben an der Grenzstation keine kilometerlange Schlange LKWs… komisch. Doch dazu später. An der Tanke erwartete mich schon der grinsende Tankwart, der uns für ein paar Bolivianos Schlüssel und Deckel verstaut hatte. Glück gehabt!

Die zweite leicht zu erreichende Attraktion des Parkes, die Naturthermen, besuchten wir am nächsten Tag. Fast schon zu kalt mit 35°C, aber trotzdem eine Wohltat, vor allem, da wir keinen Dusch-Zugang hatten… die erste Dusche seit Chile sollte es erst in La Paz geben.


Parinacota von der anderen Seite, auf dem Weg zu den Thermen…


… und die andere Richtung


auf dem Rückweg durch die Lamaherden

Nachdem die letzte Nacht in Sajama regnerisch, aber auf Grund der Wolken warm war, konnten wir den Wagen diesmal ohne rollen starten. Dabei hatte ich extra am Hang geparkt… naja, gut so. Als wir aus dem Dorf rumpelten, hielt uns noch der Park-Ranger an, der uns darauf hinwies, dass die Straße nach La Paz blockiert sei, es aber “mas tarde” (später) eine Einigung geben sollte. Naja, ein paar Stunden stehen, gibt schlimmeres. Also fuhren wir zu viert – mit Christian und Nana – los, bis nach 75 Kilometern die ersten LKWs am Horizont auftauchten. Nach kurzem Gespräch mit einigen Fahrern fuhren wir am Rand an der Schlange vorbei – die war immerhin gute sieben, acht Kilometer lang. Sehr weit vorne war zwischen den Trucks ein Platz frei, wir parkten ein und erfuhren Stück für Stück die Details. Die Blockade war bereits den dritten Tag – deshalb also die leere Grenzstation. DAS hätte der Guard uns mal sagen können… Die Straßenblockade bestand aus mehreren großen Erdhügeln mit einigen hundert Dorfbewohnern dazwischen. Das ganze war interessant anzusehen, es wirkte auf jeden Fall sehr basisdemokratisch. Nur wirklich solidarisch konnten wir uns nicht zeigen, denn der Grund für die Blockade war lächerlich. Das Dorf, fünf Kilometer abseits der Fernstraße gelegen, wollte eine Asphaltierung der Schotterstraße nach Oruro. Oruro liegt im Nordosten des Dorfes – ist aber über die bisherige Straße bestens erreichbar. Eine Asphaltierung hätte zur Folge, das die LKWs nach Osten dann 50 Kilometer Weg sparen würden und das Dorf passieren würden, mitsamt aller wirtschaftlichen Auswirkungen. Das ist ja schön und gut, nur gibt es in Bolivien eine Vielzahl Straßen, die wirklich dringend geteert werden müssen, ebenso wie es massig Dörfer gibt, die keinen vernünftigen Straßenanschluss haben.
Wie auch immer, aus “mas tarde” wurde “manana” (morgen) bzw. “indefinite” (wenn es so geschrieben wird, auf jeden Fall unbegrenzt). Großartig. Viele Alternativen gab es nicht. Eine wäre fünf Kilometer lang gewesen, eine Allrad-Strecke zum Dorf – das hätte tatsächlich geklappt, allerdings hätten wir einen Kilometer tiefen Sand passieren müssen und mit dreieinhalb Tonnen und unseren Minireifen war das unmöglich. Die andere Alternative wäre zurück zur Grenze und dann Schotterstraße nach Oruro – ein 400-Kilometer-Umweg. Also warteten wir und hofften, dass es “manana” wird. Immerhin war die Landschaft nett und wir konnten die Zeit nutzen um das Auto zu waschen, ein wenig aufzuräumen und im Fluß zu baden (oder Gold zu suchen, ich glaube, die glänzenden Plättchen waren Gold :D ).


fehlgeschlagener Versuch, die Blockade zu brechen?

Auf der anderen Seite der Blockade stand ein deutsches Wohnmobil mit einem älteren Pärchen, mit denen ich mich etwas beraten wollte. Leider war der Mann vom Typus Sozialdarwinist, der erstmal über die Bolivianer generell und dann die Dorfbewohner im Besonderen schimpfte. Was für ein Idiot. Ich verstehe manchmal nicht, warum solche Leute auf Reisen gehen. Ab in die Gartenlaube, da kann er dann Sarrazin und anderen Müll lesen, das dürfte doch eher passen… Schließlich, am vierten Tag bzw. für uns nach gut 28 Stunden, kamen die Dorfbewohner mit der Regierung wohl zu einer vorübergehenden Einigung und die Blockade wurde für drei Stunden aufgehoben. Yippie! Bis es soweit war dauerte es natürlich dann doch noch etwas und am Ende passierten wir um sechs Uhr die freigeräumte Straße. Lustigerweise ohne eine Spur von dem deutschen Wohnmobil, das wahrscheinlich den riesigen Umweg gewählt hat, haha. Natürlich passierte dann genau das, was ich befürchtete: Hunderte LKW-Fahrer begannen das Wettrennen. Waren wir die ersten Kilometer hinter der Blockade noch geschützt, da die Gegenseite mit anderen Fahrzeugen belegt war, begann danach das wilde Gerase. Was für völlig verrückte Leute! Wir wollten nur bis zur nächsten Schlafgelegenheit, aber mittlerweile dämmerte es und vernünftige Plätze waren nicht zu sehen. Patacamaya, die nächste Stadt, lag hundert Kilometer entfernt… wir sollten drei Stunden dahin brauchen. Während der drei Stunden konnten wir die ganzen Abgründe des bolivianischen Straßenverkehrs begutachten und wissen jetzt, warum Nachtfahrten “generell nicht zu empfehlen” sind. Zum einen wird überholt, wo und wie es nur geht. Das schlimmste sind die Kuppen. Die Fahrer sehen vielleicht dreißig Meter weit, trotzdem wird ausgeschert und überholt. Kommt was entgegen, dann wird eben wieder eingeschert und der Nebenmann muss Platz machen. Generell ist man hier mit dem Einscheren nicht so – hätte ich nicht vorsichtshalber schonmal gebremst, wären wir von einem Tanklaster in den Graben gedrückt worden. Getoppt wird das alles noch von der enthusiastischen Lichthupen- (bzw. Lichtorgel-)Benutzung. Das funktioniert so: Wenn ein LKW überholen möchte, dann lichthupt der Fahrer erstmal ein wenig, um seine Absicht kundzutun. Und damit er beim Überholvorgang genug sieht, schaltet er dabei sein Fernlicht an. Und weil Fernlicht sowieso besser ist, wird oft auch konsequent mit Fernlicht gefahren. Egal, ob da Gegenverkehr kommt oder nicht. Und wenn einer mit seinem Fernlicht blendet, macht der andere sein Fernlicht auch an, um besser sehen zu können. Aah… was für eine krankhafte Idiotie, jetzt wundern mich die zahllosen Kreuze am Wegesrand noch weniger. Passenderweise fahren die meisten auch fast profillose Reifen – weswegen wir einen Reifenplatzer beobachten konnten und ein paar Kilometer späte plötzlich der riesige Reifen-Rest auf unserer Fahrbahn auftauchte.
Als wir in Patacamaya ankamen, war zumindestens ich völlig fertig. So hatte ich mir die Abschiedsfahrt nicht vorgestellt. Wir suchten schnell ein ‘alojamiento’, eine Herberge, für Christian und Nana (4€ für Doppelzimmer, nicht schlecht), parkten davor und waren dann schnell im Bett.

Die hundert Kilometer nach La Paz absolvierten wir dann in zweieinhalb Stunden, trotz geteerter Straße. Auch tagsüber trieben mich die Bolivianer angesichts ihrer suizidalen Überholmanöver in den Wahnsinn und ich bin froh, dass wir nicht mit dem Auto weiterreisen. Passenderweise waren 40 Kilometer hinter Patacamaya zwei LKWs ineinandergerast, was zu längerer Verzögerung führte… aber es wundert mich nicht.
Die spektakuläre Cordillera nördlich von La Paz war schon von weitem sichtbar und ebenso die Stadt – genauer gesagt, El Alto. La Paz selber liegt mit einer Millionen Einwohner in einem Canyon, während El Alto flach auf dem Altiplano liegt. Eigentlich das Armenviertel von La Paz, ist El Alto mittlerweile ebenso groß und eie unabhängige Stadt. Der Verkehr war einmal mehr eine Herausforderung, aber nicht so schlimm wie erwartet. Glücklicherweise gab es eine neue Straße nach Mallasa, das 12 Kilometer von La Paz entfernt liegt und früher nur mittels Stadtdurchquerung erreichbar war. So fuhren wir langsam runter und sind jetzt auf 3200 Meter (La Paz liegt 600 Meter höher) im Hotel Oberland, wo wir unter schweizerischer Aufsicht mit dem Wagen campen können, ein paar freie Tage genießen und uns auf die Übergabe vorbereiten. Am Ankunftstag waren wir abends noch in der Stadt. Die Stadt ist chaotisch, aber oder gerade deswegen großartig… doch das verdient einen Extra-Post. Oder mehrere.

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One Response to Arica nach La Paz: P.N. Lauca & Sajama

  1. Axel & Suse says:

    mal wieder geniale fotos, da werd ich glatt neidisch
    wir sind jetzt auch in la paz
    haben uns also nur knapp verpasst
    viel spass in copacabana

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