Isla del Sol & Choro-Trail

Seit dem letzten Eintrag ist etwas Zeit vergangen, die wir für zwei kürzere Touren genutzt haben. Wir sind immer noch in La Paz, hoffen aber, dass Montag mit dem Auto alles über die Bühne geht und wir endlich nach Arequipa in Peru kommen.

Zunächst fuhren wir, nach über einer Woche La Paz, nach Copacabana – am Titicaca-See. Die Fahrt dorthin war schon großartig, die gesamte Cordillera hinter La Paz war sichtbar und nach zwei Stunden Fahrt kam schon das tiefe Blau des riesigen Sees zum Vorschein. Insgesamt dauerte es trotzdem vier Stunden für die 160 Kilometer bis Copacabana, unter anderem, weil der See gequert werden musste. Dort angekommen holten wir uns gleich Bootstickets für die Überfahrt zur Isla del Sol. Die Wartezeit verbrachten wir etwas angewidert von Cobacabana, was für ein Touristen-Ghetto! Ich frage mich, wie man sich dabei wohl fühlen kann. Überall Schlepper, die einen in ihr Hostel oder Restaurant reinziehen wollen und statt einheimischer Küche gibts vor allem überteuerte Pancakes und Pizzas. Uargs… kein Ort zum bleiben. Nach eineinhalb Stunden Bootsfahrt kamen wir auf der Isla del Sol an. Der See liegt auf fast 4000 Metern und bietet eine der wenigen Gelegenheiten, gleichzeitig höhen- und seekrank zu werden. Auf der Insel setzte sich das nervige Geschleppe fort. Vom Hafen ging es eine halbe Stunde hoch bis zum Gipfelkamm und alle zwei Minuten durfte man jemandem erklären, dass man weder Unterkunft noch Essen noch Souvenirs braucht. Sogar die Kinder sind voll mit dabei. Die ersten Worte sind hier wahrscheinlich nicht “Mama” oder “Papa” sondern “Habitacion?”. Wir wählten dann die Unterkunft, bei der wir nicht gefragt wurden und waren sehr glücklich damit, da wir eine großartige Aussicht genossen und das Zimmer durch Fenster auf drei Seiten lichtdurchflutet war. Und da wir keine sieben Euro für Pizza ausgeben wollten, gab es mal wieder Fertigreis… grauenhaft. Aber kostet nur ein Zehntel.


Fahrzeugtransport über den See


Blick aus dem Fenster


die Range (Illami oder Illampu, auf jeden Fall knapp 6500m hoch) über dem See

Am Folgetag stand die Umrundung der Insel auf dem Programm. Wurden wir zunächst durch die Sonne geweckt, verdunkelte eine fast durchgehende Wolkendecke die Sonneninsel. Der Titicaca-See ist von einem unglaublichen blau – solange die Sonne scheint, denn sonst ist er eher grau. Im Laufe des Tages wurde es etwas besser, aber trotzdem war die Wanderung etwas langweilig. Die wenigen Ruinen sparten wir uns dann auch… wenn ich Ruinen sehen will, fahr ich in die Fränkische. Außerdem kommen wir noch nach Cusco, da wird es genug zu sehen geben. Am Ende waren wir auch erschreckend fertig von den 17 Kilometern. Schön war immerhin die zweite Hälfte des Tages, als es durch bewohnte Gebiete ging und wir mehr vom Inselleben mitbekamen.
Der dritte Tag verging dann mit Abstieg, eineinhalb Stunden schaukelndem Boot, vier Stunden Bus und Tagesausklang in La Paz, wo wir freudigerweise wieder auf Christian und Nana stießen, die kurz zuvor vom Choro-Trail zurück gekommen sind und uns ein wenig berichten konnten.


terassierter Ackerbau


der Hippie-Strand…


am nächsten Morgen: Traumwetter

Zum Choro-Trail muss ich ein wenig auf die geographische Beschaffenheit eingehen. Von Westen und Süden bis nach La Paz herrscht mehr oder weniger flache Altiplano-Landschaft vor, während sich vor allem im Norden die Cordillera mit ihren sechstausendern erhebt. Hinter der Cordillera, weiter im Norden und Osten, fällt das Land dann in zerklüfteten Schluchten steil ab und geht in die Yungas über – am besten charakterisierbar vielleicht durch die Bezeichnung “tropischer Bergwald”. Die Yungas sind der Übergang vom Altiplano zum tropischen Tiefland. Der Choro-Trail verbindet nun die Cordillera mit den Yungas, d.h. der Weg führt über einen 4850 Meter hohen Pass und endet zwei Tage später auf 1300 Metern. Jede Menge bergab also, insbesondere durch viele kleine Gegenanstiege. Der Trail verläuft durch mehrere Klimazones und hat daher landschaftlich einiges zu bieten, wovon wir uns selber überzeugen wollten. Gleichzeitig ist das Wetter in den Yungas tendenziell eher schlechter als in La Paz, und dort war es noch immer durchwachsen. So hatten wir am ersten Tag auch noch zuviele Wolken, die über den Pass zogen, um unser ursprüngliches Nebenziel, den Cerro Satorno, 5006 Meter hoch, anzupeilen. Es wäre schon machbar gewesen, da es einer der Hochlauf-5000er ist, aber keine Aussicht, kein Interesse. Also begaben wir uns vom Pass, auf den wir eine gute Stunde brauchten (auf der Höhe wird das schon sehr anstrengend), schnell hinab ins Tal. Der Trail ist ein alter Inka-Weg und daher bestens ausgebaut und stellenweise breit gepflastert. Nach gefühlten etlichen Stunden Nebelwanderung und 1600 Hm Abstieg landeten wir in Challa’pampa, einem Dorf, das aus einer Hängebrücke, ein paar Baracken und fünf Menschen bestand.


Der Blick vom Pass zurück…


… und nach vorne…


…sowie ins Tal nach einer halben Stunde Abstieg


Autobahn-Trail


Paarungszeit!

Der nächste Tag brachte etwas besseres Wetter und wir bekamen sogar ein paar Sonnenstrahlen ab. Auf dem Programm standen wieder über 1600 Höhenmeter Abstieg, mit jedem Meter nahm die Vegetation zu und ehe wir uns versahen, waren wir auf einem dünnen Trail, der von grün umwuchert wurde. Die kommenden Stunden wurden wir von zahllosen Blüten und Schmetterlingen begleitet, letztere teilweise handgroß. Was für ein Kontrast zum kargen Hochland! Überhaupt, die Yungas sind wunderschön, überall grünt es. Kaffeebäume, Cocasträucher, wilde Bananen, Papayabäume, Physalissträucher, hanfartige Gewächse, wilde Rosen, Weihnachtssterne…
Über Stock, Stein und einige größere Flüsse, vorbei an Wasserfällen und tiefen Abhängen folgte der Weg dem Tal. Die süßliche Schwere des Bergwaldes machte das Laufen nicht grade unanstrengender und am späten Nachmittag hatten wir keine Lust mehr. Diesmal schlugen wir das Zelt auf einer kleinen Ebene auf, die dazugehörigen Baracken waren diesmal verlassen… Hochsaison kommt erst.


der zweite Tag… Challa’pampa


einer der vielen kleinen Wasserfälle


es grünt


allerbeste Infrastruktur (:


Pausenplatz in Sicht…


…inklusive Pausenbespaßung


30-Sekunden-Nachtaufnahme

Nach fünf Stunden erreichten wir dann Chairo, von wo aus wir uns nach Coroico kutschieren ließen. Theoretisch hätten wir die 12 Kilometer auch laufen können, aber zum einen waren wir richtig platt, zum anderen war meine Laune am Tiefpunkt angekommen. Zwei Tage zuvor hat die Halbformatkamera den Geist aufgegeben und bei der versuchten Reparatur musste ich auch feststellen, dass der Belichtungsmesser halb kaputt ist. Kurz vor Chairo machte dann auch die Weltax schlapp, sodass Mittelformat damit gelaufen ist… und ich mich mit dem Gedanken anfreunden muss, dass eventuell alle vierzig Rollen Film hinüber sind. Hurra… ich bereue es bitter, nicht meine zwei Kilo schwere Bronica mitgenommen zu haben.

Wie auch immer, der Abend in Coroico war recht gemütlich und auch der nächste Morgen. Von dem kleinen Dorf aus führt eine Straße zu drei großen Wasserfällen, unter denen man baden kann, genau das richtige bei schwüler Tropenhitze. Haha, und was macht man in den (Sub)tropen? Sich erstmal richtig dick erkälten… Mittags fuhren wir dann zurück – erstmal runter auf 1300 Meter, dann über den Pass auf knapp 5000. Unschön… aber der Abstieg nach Mallasa machte es wieder besser und wir hatten eine großartige Sicht auf La Paz. Doch von der Strecke Coroico – La Paz hoffentlich mehr in ein paar Wochen.


unser Hotel in Coroico… 25 Sekunden (:

Wir begeben uns morgen zum großen Stadtderby, Bolivar spielt gegen The Strongest, das ist vergleichbar mit Dortmund gegen Schalke oder Nürnberg gegen Fürth. Wahrscheinlich eher letzterem, denn beide Vereine sind grade nicht die erfolgreichsten. Montag geht es dann endlich nach Peru und dann werden auch die letzten Details mit dem Auto geklärt, danach sind wir es hoffentlich endlich los (das klingt schlimmer als es soll) und können mit dem Rucksack weiterreisen.

Leider zeichnet es sich ab, dass wir die ‘Berichterstattung’ etwas einschränken müssen. Das Internet ist grottig langsam, es gibt nur noch selten WiFi, wir haben nicht mehr so häufig Strom… also kommen in nächster Zeit wohl seltener Einträge, dafür länger.

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One Response to Isla del Sol & Choro-Trail

  1. Julia says:

    Also ich darf mir das gar nicht so genau anschauen, da kriegt man sofort Fernweh – Ich will sofort los! Am besten schon gestern. Euch weiterhin viel Abenteuergeist!

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