La Paz nach Arequipa und ein Goodbye

Es gibt viel zu berichten – und mangels Gelegenheit wieder keine Bilder.

Zunächst das von mir heiß ersehnte Derby von Bolivar gegen The Strongest. Wer keine Lust auf Fussballberichte hat, kann den Block ja überspringen.
Bolivar und The Strongest sind wahrscheinlich die zwei beliebtesten Vereine Boliviens und dementsprechend waren die Titelseiten vor dem Spiel dem Derby gewidmet. Wir hatten uns die Eintrittskarte bereits nachmittags geholt, nachdem wir am Stadion waren und ich zugeben musste, mich bei der Anstoßzeit um viereinhalb Stunden geirrt zu haben… Das Derby startete wie erwartet, jedoch nicht wie erhofft. Als wir grade in den Innenbereich zum Stadion gingen, gab es draußen die ersten Schlägereien, Jagdszenen und entweder Tränengas oder Pfefferspray. Großartig, die dritte Halbzeit schon vor dem Anpfiff. Dieser wurde dann eine gute Stunde später gebührend gefeiert: Es krachte, Raketen stiegen auf, bengalische Feuer brannten und das Stadion wurde in eine riesige gelb-blau-graue Rauchwolke gehüllt. Was für eine Pyroshow! Dafür war die Stimmung während dem Spiel zwar immer mal wieder gut, aber insgesamt war es doch ruhiger als erwartet. Nicht unbedingt Bundesliga-Zustände, außer man wohnt in Hoffenheim oder Wolfsburg. Das Spiel war nicht so grottig wie die letzten beiden, trotzdem war es arm an Höhepunkten. In der ersten Hälfte fiel das 1:0 für The Strongest und in der zweiten spielte Bolivar nur noch zu zehnt – damit ist eigentlich alles erzählt. Wenn auch nicht sportlich relevant, so stach nur noch ein unschönes Ereignis heraus. Die kleinen Sprengkörper, die eigentlich in die Luft geschossen werden und dort explodieren, landeten in der zweiten Hälfte sicher nicht unabsichtlich neben dem Torhüter von Bolivar. Der sah das natürlich nicht kommen und die Explosion kurz neben ihm ließ ihn zu Boden gehen – kein Wunder bei der Sprengkraft der hiesigen Feuerwerkskörper. Insgesamt wurde er zehn Minuten behandelt, was dazu führte, dass Fernsehteams und Presse auf das Spielfeld rannten und die Polizei diese in Kampfmontur wieder zurück drängen musste. Das Spiel wurde nicht abgebrochen, der Keeper stand wieder auf und küsste theatralisch sein Vereinsemblem… damit dürfte für die nächsten Jahre wieder genug Rivalität hergestellt sein.
Nach dem Spiel kam es trotz Riot-Polizei mit Maschinengewehren im Anschlag wieder zu Ausschreitungen, uns war das egal, wir kamen relativ gut weg. Fussball in Südamerika, ein Riesenspaß. Ich freu mich aufs nächste Spiel.

Den Sonntag nach dem Derby wollten wir eigentlich mit einer Tagestour im Palca-Canyon verbringen. Daraus wurde nichts, nachdem wir erfuhren, dass das Syndikat des Transporte Publico eine Blockade plante. Von was? Na, von ganz Bolivien… wenn schon, denn schon. Grund dafür ist ein neues Gesetz für den öffentlichen Nahverkehr und wohl auch die Tatsache, dass die steigenden Spritpreise nicht durch erhöhte Fahrpreise ausgeglichen wurden. Kurzum: Unsere für Montag geplante Abfahrt nach Desaguadero – die Grenze zu Peru – musste somit ausfallen oder schon Sonntag statt finden. Ersteres kam für uns nicht in Frage, da die Blockaden auf zwei Tage angesetzt wurden, aber durchaus verlängert werden könnten. 28 Stunden haben wir ja bereits in einer verbracht, das musste also nicht nochmal sein. Gleichzeitig mussten aber die Käufer von unserem Wagen mit, konnten aber erst ab sechs Uhr abends, da sie noch auf Tour waren. Um halb sieben ist es hier dunkel. Jetzt sind die Landstraßen im Dunkeln bereits schrecklich, wie muss El Alto, der obere (eigentlich selbstständige) Teil von La Paz erst sein? Wir einigten uns darauf, bis Laja vorzufahren und dort auf das Taxi mit den beiden zu warten. Das war die absolut richtige Entscheidung! Wir brauchten für zehn Kilometer El Alto etwa eine Stunde, sind ständig Stop-and-Go gefahren, mussten dutzende Male bremsen, weil uns ohne zu blinken jemand direkt vors Auto gefahren ist, sind auf dreispurigen Straßen in… naja, auf jeden Fall mehr Spuren gefahren, haben meine Nerven von über die Fahrbahn rennenden Personen ruinieren lassen und zur Krönung ist uns noch schön jemand hinten reingefahren. Wenigstens war das nicht so schlimm, wer gewinnt wohl, der mehr als 3,5 Tonnen schwere, massive Benz oder so ein popeliger Geländewagen? Der Fahrer hätte das aber auch wissen sollen, vor allem als es schon knirschte… keine gute Idee, dann nochmal aufs Gas zu drücken. Ein wenig Plastik bei uns, deutlich mehr Auto bei ihm. Ha! Selber schuld.
Wenn man den Huayna Potosi mit seinen 6088 Metern besteigt, bekommt man ein Shirt, auf dem das steht… ich hätte gerne eins mit “I survived El Alto”.

Von Laja zur Grenze waren es nochmal 90 Kilometer, die weniger anstrengend waren als befürchtet. Den Fernlichtfetisch kennen wir jetzt ja und es fuhren kaum LKWs. Den Schlusspunkt unserer 15960 Kilometer langen Autoreise setzten dann die bolivianischen Beamten, die an der Einfahrt zu Desaguadero eine ominöse “Registrierungsgebühr” von 20 Bolivianos haben wollten. Aber was solls, das war nicht mehr der geeignete Zeitpunkt zum reklamieren. Wir verbrachten eine unruhige Nacht in der unfassbar hässlichen Grenzstadt, wissend, dass der nächste Tag eventuell eine ziemliche Rumgeschacherei mit dem peruanischen Zoll bringen würde. Immerhin reisten wir aus Bolivien mit unseren Zollpapieren aus, während die anderen beiden in Peru unter ihrem Namen mit dem Wagen einreisen mussten.
Auf die Hintergründe gehe ich nicht näher ein – nur soviel, Peru ist schon so eine Bananenrepublik. Wir haben eine spanische, absolut unoffizielle Übersetzung aller relevanter Zollsachen – statt Autopapieren haben sie sich die geschnappt. Eine halbe Stunde später war alles vorbei, wir waren nicht mehr die auf dem Papier vermerkten Besitzer und sind somit ‘frei’ vom Auto – endlich. Wir hatten eine sehr schöne Zeit, aber hier in Peru und Bolivien wäre es uns mehr Hindernis als Hilfe, von den >4000km zurück mal abgesehen. Von Desaguadero aus nahmen wir den ersten Bus nach Arequipa und kamen abends an – mit dem Auto wären wir 2-3 Tage unterwegs gewesen. Trotzdem, ein wenig trauere ich unserer alten Dame nach. Fast 404.000km und sie fährt und fährt und fährt…

haha, noch eine kleine Geschichte zum Schluss, jetzt kann ich es ja erzählen: So ganz unfallfrei waren wir auch nicht, nur ist weniger kaputt gegangen. In Ushuaia waren wir Autobatterie kaufen, es fing an zu regnen und wir waren von allem ziemlich genervt und wollten nur weg. Schnell zum Auto gerannt, gestartet, Rückwärtsgang eingelegt und in die vermeintlich leere Straße zurückgesetzt – bis ich von einem krachendem Geräusch aufgeschreckt wurde. Scheiße. Rausgegangen: Wir steckten in einem neuen Golf. Und das ist wörtlich gemeint! Hinten hat der Bus ein Tritt aus Metall, der etwa 30 Zentimeter lang ist und damals zum Großteil in diesem Golf steckte. Blöderweise ist der Wagen so klein, dass ich ihn im Spiegel nicht gesehen habe. Nachdem sich die erste Panik legte, versuchten wir den Besitzer zu finden – nichts zu machen. Also gingen wir zurück in den Batterieladen und meinten, wir hätten einen Unfall gehabt und bräuchten Hilfe. Einer der Angestellten kam mit raus, begutachtete das ganze und ließ mich dann langsam nach vorne fahren. Knacks, Splitter… dann waren wir draußen. Und dann? Naja, einfach weiterfahren, so macht man das hier in Argentinien. Bitte was? Er erläuterte uns dann, dass ja nichts passiert war und nur ein paar Plastiklamellen kaputt und das Nummernschild verbogen waren – was er schnell zurecht bog. Damit war es seiner Meinung nach getan, denn es war ja nichts wichtiges kaputt. Wir waren uns da nicht so sicher und schrieben noch eine Nachricht mit der Bitte, dass der Besitzer sich melden möge, falls wir den Schaden begleichen sollen… bis heute ist nichts gekommen. Glück gehabt, denn jeder andere Golf (und fast jedes andere Auto) hat auf der Höhe keine Plastiklamellen, die man von außen nicht mal sieht, sondern eine Menge Metall.

In Arequipa angekommen ließen wir uns in das nächstbeste Hostel fahren, das auch ganz nett und mit etwa 10€/Nacht bezahlbar ist. Die Stadt ist sehr schön, allerdings auch sehr teuer. Ebenso Cuzco, die Stadt wird für uns glaube ich zur ‘No-Go-Area’, da alles absurd teuer ist. Ein paar Euro für die Kirche, ein paar Euro für das nächste historische Gebäude… das zieht sich dann durch das ganze Zentrum durch. Wenn wir wollten, könnten wir in Peru problemlos einige hundert Euro an Eintrittsgeldern lassen. Da hilft nur eins: Rauf auf den Trail und dann schnell zurück nach Bolivien. Schade eigentlich, denn interessant ist es hier. Arequipa ist eine angenehm helle, fast schon durchdachte Stadt. Bis zum beginnenden 20. Jahrhundert muss es hier sowas wie Stadtplanung gegeben haben. Davon ist in den Suburbs nichts mehr übrig, aber die Innenstadt ist schön anzusehen. Etwas irritierend sind nur die Scharen von Minitaxis, die die Straßen verstopfen. In La Paz fuhren immer Collectivos, die bestimmte Strecken bedienten und für 15 Leute Platz boten.

Wir sind grade im Bus auf dem Weg nach Cuzco, WIFI inklusive. Die paar Bilder von Arequipa kommen später… zusammen mit Eindrücken aus Cuzco.

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