Salkantay-Trek

Nach unserem kleinen Cuzco-Schock waren wir froh, schnell von der Stadt auf den Trail zu kommen. Per Colectivo (14 Personen, Größe VW Sharan) ging es mit Rennfahrer-Ambitionen nach Mollepata, von wo aus wir uns den Weitertransport erhofften. Dort angekommen wurde uns mitgeteilt, dass es diesen nur morgens gibt – also Hospedaje statt Zelt. Das leitende Pärchen war alt und schrullig und der Aufenthalt war dann doch nicht so langweilig wie befürchtet.

Der erste Wandertag begann mit einer 10-km-Fahrt. Wir hätten auch laufen können, aber Schotterstraße ist dann doch etwas langweilig. Außerdem gingen wir den überwiegenden Teil des Tages noch auf eben dieser, was wir jedoch nicht wussten, da die Straße recht neu war. Überhaupt ist das Gebiet zum Laufen nicht mehr optimal. Die letzten zwei, drei Jahre wurden überall Straßen reingebaut und das nimmt manchmal doch etwas die Lust. Ein weiterer Minuspunkt: Als Alternative zum überlaufenen und teuren Inka-Trail sollte der Salkantay-Trek eher leer sein. Trotzdem fanden wir uns in einer lärmenden Horde aus 50, 60 rucksacklosen Ausflüglern mitsamt dutzenden von schwer beladenen Packeseln und Maultieren wieder. Ich habe gewisse Aversionen gegen diese Leute… wenigstens den eigenen Rucksack sollte man vier, fünf Tage tragen können. Und wenn schon nicht das, dann wäre es wenigstens angebracht, sich in den Bergen nicht wie der letzte Depp zu benehmen und etwas weniger rumzuschreien. Aber naja. Vielleicht sehe ich das ja auch etwas zu eng. Haha, wenn wir grade dabei sind… es wird ja oft erzählt, man wird auf längeren Reisen toleranter. Bei mir läuft es eher andersrum: Je länger ich unterwegs bin und je mehr Leute ich sehe, desto öfter fasse ich mir an den Kopf. Anders ausgedrückt: Der Zynismus steigt proportional zur Reiselänge und mit der Zeit wundern mich die absurdesten Begleiterscheinungen nicht mehr.

Bei dem Bericht fasse mich kurz: Es war die zehnte Tour für uns und wahrscheinlich der etwa 500ste Wanderkilometer, wir waren bis Aguas Calientes fünf reine Lauf-Tage unterwegs und haben von 2000 Meter bis 4700 Meter einige Klimazonen durchwandert. Es war schon sehr schön, aber langsam tritt ein gewissen Abnutzungseffekt ein. Ich schreibe glaube ich auch immer das gleiche, also lasse ich es diesmal. Ansonsten zählt für den Trek leider das gleiche wie für Cuzco, wenn gleich auch auf niedrigerem Level. Es war ein Kultur-Trek, unberührte Natur konnte man im großen und ganzen Knicken. Das war interessant, aber manchmal auch nervig. Von Aguas Calientes aus ging es für uns noch nach Machu Picchu hoch, aber das bekommt einen Extra-Bericht in einigen Tagen.

Soweit dazu. Viel Spaß bei den Bildern.


kleine Maisernte in Mollepata


der namensgebende Salkantay…


…und seine monumentale Südwand (entspricht unseren Nordwänden)!


halb acht im ersten Camp


oben am 4700er Pass


Abstieg in den peruanischen Nebelwald (‘cloud forest’)… überhaupt waren Wolken ein steter Begleiter und ein großartiger Landschaftsgestalter


die dritte Nacht verbrachten wir im Dorf… Elektrizität = mindestens drei verschiedene Musik-Beschallungen gleichzeitig


das Highlight war die Verköstigung: abends gab es fünf Ei-Kartoffel-Zwiebel-Knoblauch-Tomaten-Topf und morgens bekamen wir die Reste des Geburtstagskuchens, den der Koch einer organisierten Tour für eine Teilnehmerin gemacht hat. Wir haben bestimmt mehr davon gegessen als das Geburtstagskind. Der Saft ist übrigens aufgekochte Milch mit Quinoa.


Subtropen = vieeeel Vegetation


15 Zentimeter Tausendfüßler


und zu guter letzt: Nasenbären! Es raschelte im Gebüsch, und ein Bärchen nach dem anderen rannte auf die andere Seite… insgesamt etwa zwanzig Stück.


Da kommt euer Kaffee her…


…hier wird er geschält, gesiebt und gewaschen…


…und hier wird er getrocknet. Ein Kaffeebauer hat sich die Zeit genommen, es uns zu erklären. Die Schalen werden von ihm als biologischer Dünger genutzt und er hat eine Ausbeute von 1.500 kg Kaffee auf 12 Hektar Land. Das ganze geht dann zu einer Kooperative und wird von dieser vermarktet (und landet am Ende wahrscheinlich als Bio-Kaffee in Europa oder den USA).


Da ist es: Machu Picchu von ganz weitem…


… und von etwas weniger weitem


die letzten 10 km führten an den Schienen entlang. Wir hätten auch fahren können, dann hätten wir jedoch 30€ gezahlt [...] und hätten die Nasenbären verpasst. Und die überwucherten Zugteile, die neben der Strecke lagen.


das Tal kurz vor Aguas Calientes. Schöne Landschaft, teilweise hat man hunderte Meter hohe Felswände neben sich. Beeindruckend, was die Inkas da alles reingebaut haben.

Grade sind wir wieder in Cuzco. Cora nutzt die letzten Tage hier, um sich die Umgebung anzuschauen, während ich mir faule Tage mache und durch die Stadt schlendere. Sehr amüsant heute. Auf dem Hauptplatz, dem Plaza de Armas, durften die städtischen Polizei/Militärpolizei/Aufstandsbekämpfungs/Prügel-Einheiten nacheinander im Stechschritt paradieren. Ein Platz weiter machten die örtlichen Kommunisten/Gewerkschaften/sonstige das gleiche, nur mit mehr Feuerwerk. Zwischen Polizei und Kommunisten zogen etliche kleine kirchliche Prozessionen mit Kreuzen, Bannern und Heiligenbildern umher. Und rundherum gab es das volle Verköstigungsprogramm, von frittiertem Meerschweinchen über Zuckerrohr bis zu Gebäck. Köstlich, ich habe mich bestens amüsiert. Passend, dass in Erlangen der Berg anfängt. Wobei ich definitiv lieber in Cuzco bin…

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

One Response to Salkantay-Trek

  1. Julia says:

    Bringt mir nen Nasenbären mit ;-)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>