Uyuni und der bolivianische Südwesten

Zunächst: Der Post ist wieder sehr umfangreich. Da ich vermeiden möchte, dass bei jedem Seitenaufruf alle Bilder geladen werden (Traffic und so), muss man ab jetzt zum weiterlesen klicken.

Nach einer erstaunlich entspannenden Busfahrt kamen wir in Uyuni an und bezogen gleich die erstbeste Hospedaje. Danach ging es auf die Suche nach einem passenden Tourveranstalter für die viertägige Reise durch den bolivianischen Südwesten bis nach Tupiza. Es wurde schnell klar, dass wir Tupiza vergessen können, da es keine Anbieter gab. Andersrum wird die Strecke gelegentlich befahren und soll außerordentlich schön sein. So entschieden wir uns spontan, ein Tag zu streichen und am kommenden Morgen auf die nun dreitägige Rundreise aufzubrechen. Diese führt über den Salar de Uyuni – den gigantischen Salzsee – und von dort aus durch das Altiplano zu diversen Lagunen, unter anderem zur Laguna Colorada und Laguna Verde an der Grenze zu Chile. Am dritten Tag geht es dann zurück nach Uyuni – insgesamt 1100 Kilometer.

Wir hatten Glück mit unserem Tourveranstalter – das merkten wir vor allem hinterher, als uns eine andere Deutsche erzählte, dass ihr Fahrer absolut unzuverlässig war und sich zwischendrin desöfteren Schnaps hinter die Birne gekippt hat. Das führte dann dazu, dass sie den Landcruiser fahren durfte… das wiederum hätte ich liebend gerne gemacht!

Wir waren sieben Touris (bolivianischer Kommentar vorher: ‘Maximal sechs Leute, nie mehr’) und der Fahrer, trotzdem war es auszuhalten im Fahrzeug. Von Uyuni aus fuhren wir zum Cementerio de Tren. Wie der Name schon sagt, ist das ein Zugfriedhof. Der Ort ist unglaublich. Ich hätte Tage dort verbringen können und hatte genau 15 Minuten – Minuspunkt für organisierte Touren. Mit eigenem Auto wäre das alles schon schöner gewesen, nur wären wir mit unserer Alten Dame nicht weit gekommen. Am Rückweg habe ich mich am Zugfriedhof nochmal aussetzen lassen und konnte die eine Stunde vor Sonnenuntergang zweieinhalb Filme verschießen. Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung.

Nach dem Cementerio fuhren wir auf den Salar. Zum einen war es unglaublich beeindruckend: Man fährt in einem gigantischen Salzmeer. Zum anderen bin ich überglücklich, bei den Salinas Grandes in Argentinien die Nacht verbracht zu haben, denn die ganzen Eindrücke ließen sich einfach nicht innerhalb von ein paar Stunden einfangen. Wir verbrachten den Nachmittag auf dem Salar und fuhren dann weiter zu unserer Unterkunft, einem Salzhotel. Interessant, interessant… Beim Essen hörte ich dann die Worte ‘Dynamit’, die mir bei der Fahrt schon zu Ohren kam. Da war es aber in Verbindung mit ‘abends’ und ich dachte, dass die anderen sich Schnaps oder Gras reinziehen wollten. Hätten sie ruhig machen können, wäre mir egal gewesen. Aber auf meine vorsichtige Nachfrage kamen die Hintergründe zum Vorschein: Die drei hatten in Potosi bei der Minentour Dynamit gekauft, konnten das aber nicht an den Mann bringen, da alle Mineros weg waren, als sie es verschenken wollten. Daraufhin haben sie andere Tourengänger gefragt, bis es einer abkaufen wollte. Als der erfuhr, dass sie danach in den Salar wollten, zog er das aber zurück… unter dem Hinweis, wieviel Spaß man mit Dynamit haben kann. Also fuhren wir den gesamten Tag mit Dynamit, Zündern und Ammoniumnitrat zwischen den beiden Benzinkanistern rum. Top!
[Kleiner Einschub: Im letzten Post sagte ich, dass man kleine Kügelchen Nitroglyzerin kaufen kann. Das stimmte nicht, die Kügelchen waren Ammoniumnitrat - immer noch sehr reaktiv, aber bei weitem nicht so gefährlich. Das Nitroglyzerin ist natürlich schon im Dynamit enthalten]
Ich machte ihnen klar, dass entweder das Dynamit oder ich nicht mehr mitfahren würde. Und so kam es, dass wir abends loszogen, einen Kilometer vom Dorf entfernt einen kleinen Hügel untersuchten, ein Loch gruben und bolivianische Wüste in die Luft jagten…


Schaf und Igel fanden es auch ganz okay


Isla Pescado… in einem Meer aus Salz


die Kakteen wachsen 1 cm/Jahr und sind bis zu 1000 Jahre alt


unser Salzhotel

Also kein Dynamit mehr am nächsten Morgen. Gut so, denn es wurde holprig: Wir fuhren immer tiefer ins Hinterland, bis wir an einer handvoll Lagunen landeten, die mit Flamingos bevölkert waren. Es war wunderschön… ich kann das gar nicht adäquat in Worte fassen. Aber diese Landschaft ist atemberaubend und gehört für mich zu dem schönsten, was ich bisher gesehen habe. Die Lagunen haben alle verschiedene Farben: Manche sind Arsen-haltig, einige haben Mikroorganismen, in anderen schwimmen andere Metalle rum… Großartig. Abends kamen wir dann an die Laguna Colorada. Die dortigen Algen blühen im Sonnenlicht und sorgen für die Rotfärbung der Laguna. Leider war es etwas bewölkt und die Farbe war nicht so intensiv, trotzdem war es ein eindrucksvoller Anblick.


Sonnenaufgang über dem Salar


der rauchende Vulkan Ollague


ein reichlich unbeeindruckter Flamingo (beäugt von dutzenden Touris)


? Altiplano


die nächste Lagune, die nächsten Flamingos


Piste… keine Chance für unsere Alte Dame


die Kette der ‘siete colores’ (jaja, gibts nicht nur in Argentinien)


der ‘arbol de piedra’ (Steinbaum)… der wahrscheinlich am häufigsten fotografierte Fels Boliviens


die Laguna Colorada (riesengroß und maximal 80cm tief)

Nach einer eiskalten Nacht hieß es um fünf Uhr aufstehen und weiterfahren. Bei -15° schälten wir uns am Geysirfeld ‘Sol de manana’ aus dem Wagen und sahen uns die brodelnden Schlammkessel an. Unser Guide versuchte uns, durch die Fumarole zu lotsen, aber konzentrierter Schwefelwasserstoff ist nicht das gesündeste und wir verzichteten. Wieder Minuspunkt für organisierte Touren: Nach 15 Minuten ging es weiter. Schade. Aber wir hatten ähnliches bei San Pedro und Sajama, das entschädigte etwas. Wie man es machen kann, zeigten die Radfahrer, an denen wir vorbeifuhren…


Fumarole…


…und noch mehr Fumarole. Lecker Schwefelwasserstoff.


Frühstückspause bei den Aguas Calientes

Nach weiteren Kilometern kamen wir an den südlichsten Punkt der Tour. Die Laguna Verde sahen wir ja schon von der Überquerung des Paso de Jama. Sie war auch diesmal nicht grün, sondern bläulich… naja, kann man drüber hinwegsehen. Danach fuhren wir mehr oder weniger schnell zurück nach Uyuni, wo ich wie erwähnt am Zugfriedhof ausstieg. Der Rückweg war erschreckend: Etwa eineinhalb Kilometer Schienen bis in die Stadt und rundherum Müll ohne Ende. Überall, alles voller Plastikmüll. Dazwischen verwilderte Hunde und Menschen, die gemeinsam mit ihnen zwischen dem Müll ihr Geschäft verrichten. Uyuni ist das größte Drecksloch, das wir in Südamerika gesehen haben. Es hätte ohne Probleme in Indien sein können… zumindestens mülltechnisch (und ich weiß, wovon ich da rede).


kurz vor der Laguna Verde: die Desierto Dali


Laguna Blanca (dahinter die chilenische Straße, über die wir von Argentinien nach San Pedro gekommen sind)


Laguna Verde mit dem Licancabur


der letzte Stop… das Valle de las rocas

Von Uyuni ging es um sechs Uhr morgens weiter bis Tupiza. Bolivianischer Kommentar: Fünf Stunden Fahrt, vielleicht fünfeinhalb. Ende vom Lied: Nach zweieinhalb Stunden Fahrt machten wir erstmal knapp zwei Stunden Pause. Und die war durchaus eingeplant: Innerhalb kürzester Zeit waren wir paar Touris die einzigen am Busbahnhof von Atacho. Danach kamen nochmal dreieinhalb Stunden Fahrt, sodass wir nach acht Stunden in Tupiza ankamen. Zwischenzeitlich hatten wir unsere Pläne umgeschmissen und geplant, über La Quiaca nach Salta und von dort direkt nach Iguazu zu fahren. Vorteil: Es ist schnell und gemütlich, Nachteil: Argentinien ist unfassbar teuer. Allein für die Strecke von Salta nach Iguazu würden wir locker über 100€ pro Person zahlen. Das sind zwar 1500 Kilometer, aber dazu würden die Übernachtungskosten kommen und die sind dreimal so hoch wie hier. Also versuchen wir uns an der aufregenderen Variante… länger, anstrengender, aber sehr viel billiger. Nachtbus nach Tarija, Nachtbus nach Villamontes, Nachtbus nach Asuncion, dann weitersehen. Nachdem Argentinien wohl zur finanziellen No-Go-Area wird, werden wir ein paar Tage in Paraguay verbringen. Nur um zu verdeutlichen, wo das Problem ist: Innerhalb von zwei Jahren sind die Buskosten in Argentinien um etwa 150% gestiegen… und ähnliches hat man bei Unterkünften und Nahrungsmitteln. Also… Abenteuer, wir kommen!

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