Paraguayischer Staatsstreich & Misiones

Wir sind in Argentinien angekommen, nachdem wir zwei Nächte in Encarnacion verbracht haben und dort, ebenso wie der Rest Paraguays, von einem konstitutionellen Staatsstreich der radikal-liberalen Partei überrascht wurden. Die Kurzfassung: Nach immer mehr innenpolitischem Druck hat die Opposition gemeinsam mit der liberalen Parten (die an der Regierung beteiligt ist) ein Amtsenthebungsverfahren gegen den verfassungsmäßigen Präsidenten Lugo angestrebt, das innerhalb von weniger als 24 Stunden durchgezogen wurde. Auf Grund der schlechten Erfahrungen ist der Aufschrei innerhalb Südamerikas groß und die Aktion wird durchgehend verurteilt. Ebenso weigern sich die entsprechenden Länder, den jetzigen Präsidenten anzuerkennen und haben größtenteils ihre Botschafter abgezogen. Das hinderte unseren Entwicklungsminister Niebel nicht daran, sofort nach der Machtübernahme nach Paraguay zu reisen und Gratulationen auszusprechen. Was mich bei einem FDP-Minister wenig verwundert… vor allem in einem Land, in dem 20% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben, aber 80% des Landbesitzes unter 2% der Bevölkerung aufgeteilt ist. Im Westen ist es noch heftiger, dort gehören 75% des fruchtbaren Landes genau einem Prozent. Die Oligarchie, durch die zaghaften Landverteilungspläne von Lugo erschrocken, freut sich natürlich über dessen Absetzung. Einige Artikel über die Hintergründe gibt es hier und hier. Außerdem sei auf die unrühmliche jüngere Geschichte deutscher Liberaler bei südamerikanischen Umstürzen hingewiesen (hier, hier und hier). Demokratie ist dann wohl das, wo die freie Wirtschaft floriert und die Oligarchie unangetastet bleibt.

Da es letztes Mal keine Bilder gab, reiche ich einige nach:


Tupiza von oben


Asuncion (spannender wird es nicht mehr)


Großer Spaß: Das Absurditätenkabinett im Naturhistorischen Museum in Asuncion (hier: Oppossum)

In Encarnacion haben wir die alten Jesuitenmissionen besucht. Die Jesuiten kamen im 17. Jahrhundert, haben einige Missionen aufgezogen und wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch einen Beschluss des spanischen Königs aus Südamerika vertrieben. Die Missionen gerieten langsam in Vergessenheit und verfielen zunehmend. Die Geschichte über die Jesuitenmissionen ist bestimmt ganz interessant… allerdings nicht für mich, deshalb führe ich sie hier nicht aus. Ich hatte meine Berge, jetzt kann sich Cora austoben ;) Wer interessiert ist, kann ja mal kurz bei Wikipedia reinschauen. Ich werde mich mit ein paar Bildern begnügen.


Reduktion in Paraguay


San Ignacio Mini in Argentinien


Santa Ana – auch in Argentinien, aber stark überwuchert. Die Natur nimmt sich ihren Platz zurück…


Sehr interessant war dort der Friedhof, der bis vor einem halben Jahrhundert genutzt wurde. Trotzdem war er schon heftig in Mitleidenschaft gezogen. Die Gruften wurden durch die Bäume teilweise regelrecht gesprengt

Nach dem Besuch von Trinidad und Jesus, der Missionen in Paraguay, ging es rüber nach Argentinien. Welch ein nicht-Stress! Wir wurde nichtmal kontrolliert an der Grenze. Absolut keine Kontrolle, mal ganz davon abgesehen, dass wir keinen paraguayanischen Ausreisestempel bekamen, aber einen argentinischen Einreisestempel. Gut, dass ich so schnell nicht mehr nach Paraguay will. Wir haben gehört, dass die Einreise von Bolivien nach Argentinien wegen den Drogen- und Schmuggelkontrollen bis zu acht Stunden dauerte… ha! Richtig entschieden. Nach einer kurzen Busfahrt kamen wir in San Ignacio an, 1050 km nördlich von Buenos Aires und in relativer Nähe zu Paraguay und mittlerweile auch Brasilien. Die Erde ist rot, die Bäume biegen sich vor Orangen, Mandarinen und Feigen und wenn die Sonne rauskommt, ist es tropisch warm. Ameisenbären und Tukane haben wir immer noch nicht gesehen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Argentinien ist der erwartete Preisschock, kein Wunder: Angeblich beträgt die Inflation zurzeit etwa 75% im Jahr (offiziell unter 20%, aber das ist absolut realitätsfern). Das erklärt auch, warum der Dieselpreis seit Beginn unserer Reise von 4,20 Peso auf über 6 Peso hochgegangen ist. Allerdings erklärt es nicht, warum die Währung nicht abgewertet wurde und der Kurs zu Euro und Dollar unverändert ist. Wer es mir erklären kann, bitte ins Kommentarfeld schreiben. Interessanterweise führt das dazu, dass es hier eine Art Schwarzmarkt für harte Währungen wie den Dollar gibt. Wir haben uns in Bolivien mit 400 Dollar eingedeckt, um im Zweifelsfalle bei einem Eurozusammenbruch (Griechenland und so) noch etwas Luft zu haben. In Bolivien bekommt man die Dollar direkt aus dem Automaten – man kann auswählen, ob man die oder Bolivianos möchte. Hier steht der Dollar grade bei 4,52 Peso. Heute habe ich beim Obstladen um die Ecke gefragt, wo man Dollar tauschen lassen kann und die Besitzerin entgegnete mir freudestrahlend, dass sie 1:5 tauscht – also 10% über dem offiziellen Kurs. Der Grund ist die Ausgabesperre von Devisen in Argentinien. Es ist wohl sehr schwierig, offiziell an Dollar zu kommen, da die Regierung (zurecht) eine Flucht aus dem Peso fürchtet.

Mittlerweile sind wir in Puerto Iguazu. Es ist tropisch warm und wir sehen hier allerhand. Aber davon nächstes Mal.

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