Puerto Iguazu und die Wasserfälle

Wie im letzten Post schon erwähnt, fuhren wir von San Ignacio direkt nach Puerto Iguazu, der Stadt in Nähe der gleichnamigen Wasserfälle. Auf der brasilianischen Seite gibt es dann noch Foz de Iguacu, allerdings mit etwa 100.000 Bewohnern (also zehnmal mehr). Nach der Fahrt wunderten uns auch die hohen Buspreise nicht mehr: Denn wenn 5 Gesellschaften mit jeweils sechs Bussen am Tag die Strecke befahren, dann ist die Auslastung eben nur noch bei 30%. Aber es scheint sich zu rechnen, Kapitalismus hurra. Dafür saßen wir in dem Doppeldeckerbus – was anderes fährt hier nicht mehr – vorne und hatten allerbeste Aussicht. In Iguazu hatten wir den ersten Nachmittag recht schlechtes Wetter. Dicke Wolkendecke und es war frisch. Winter ist, wenn es nur noch 21°C hat. Unsere Unterkunft war dafür großartig, für mich eine der besten bisher. Da konnten wir auch verzeihen, dass beim nächtlichen Regen das Wasser an zwei Stellen durch die Decke tropfte. Wozu hat man denn sonst auch zwei Kochtöpfe dabei.

Die geschlossene Wolkendecke hätte mir für den Besuch der Wasserfälle durchaus gefallen, denn damit hätte es sich einfacher fotografieren lassen (keine harten Kontraste). Aber als wir den Bus nach Brasilien bestiegen, schien uns schon die Sonne ins Gesicht.
Die Wasserfälle sind etwa 2,7 Kilometer lang, wobei nur über 1800 Meter Wasser fließt. Die Höhe liegt meistens zwischen 64 und 82 Metern, je nachdem, ob noch Stufen zwischen drin sind. Der Fluß Iguazu, der kurz hinter den Fällen in den riesigen Rio Paraná mündet, zieht die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien, daher sind die Wasserfälle von beiden Seiten aus zu besichtigen.
Nachdem wir jetzt beide Seiten gesehen hatten, müssen wir sagen, dass die argentinische um Längen interessanter ist. Trotzdem hat es uns bestens gefallen im Parque Nacional, was vor allem daran lag, dass sich die Nasenbären nur so tummelten. Und naja, die Wasserfälle waren auch ganz okay ;) Davon abgesehen gab es ein paar Affen und haufenweise Schmetterlinge in allen erdenklichen Farben. Da sehen unsere heimischen Falter alt gegen aus.
Im brasilianischen Nationalpark gibt es genau einen Weg – zumindest einen, für den man nicht extra bezahlt. Für Cash kann man noch etwas Abenteuertourismus genießen oder einen Helikopterflug… Ist ja nicht so, dass sowohl das eine als auch das andere die letzten paar wildlebenden Tiere noch weiter in den Park treiben würde. Aber solange die Münze klingt, ist das wohl schon in Ordnung. Argentinien ist wenigstens einen kleinen Schritt weiter und hat die Helikopterflüge verboten. Arme Tukane, Papagaien & Co.
Wie auch immer, wir kamen morgens an und kämpften uns zwischen hunderten Pauschaltouristen einmal durch den Weg. Dann merkten wir, dass das nicht das wahre war, und machten ihn gleich nochmal. Und siehe da: wie schön es ohne Menschen ist (die aßen zu der Zeit ihre Plastiksandwichs). Irgendwie wächst mit solchen Sachen meine Abneigung gegen Pauschaltouristen. Ich weiß nicht warum, aber die meisten kommen mir arrogant, unfreundlich und vor allem respektlos (gegenüber dem, was sie sehen) vor. Die Leute vor einem kurz zur Seite geschoben, Foto gemacht, weitergetrampelt und das möglichst laut. Man muss sich ja mitteilen. Arme Nasenbären, Affen & Co.
Das Highlight in Brasilien ist der Pfad zur Garganta del Diablo (Teufelsrachen). Das ist der wahrscheinlich mächtigste Teil der Wasserfälle und man steht mittendrin auf einer kleinen Plattform. Auf der argentinischen Seite gibt es das gleiche, da sieht man die Szenerie jedoch von oben. Alles sehr beeindruckend.
Ich lasse die Bilder für mich sprechen… das sollte reichen.


Blick auf die argentinische Seite


essen…?


die Nasenbärchen sind Kulturfolger geworden, nachdem sie eine Zeit lang gefüttert wurden… in Argentinien ist das besser gemacht, da kommen sie nicht in die Mülltonnen rein


an der Garganta del Diablo unten…


…und das ganze von oben, jeweils mit Neutraldichtefilter (Kitsch!)


die Garganta bildet ein Hufeisen und auf einer Plattform steht man schon recht weit drinnen und hat die Wasserfälle um sich rum…


…nur mit Fotografieren ist es nicht so, da es etwas feuchter ist

Am Tag drauf fuhren wir auf die argentinische Seite. Wir hatten in San Ignacio den Tip bekommen, wie man die Pauschaltouristen hier vermeidet – die Gruppen gehen alle als erstes zur Garganta del Diablo. Also klinkten wir uns kurz nach dem Eingang aus und liefen das restliche Wegnetz ab. Siehe da: die meiste Zeit waren wir alleine. Im Gegensatz zur brasilianischen Seite läuft man hier zwischen den einzelnen Fällen lang und hat einen hervorragenden Überblick. Wir waren restlos begeistert. Die Ruhe um uns und gleichzeitig das mächtige Röhren der Wasserfälle… kreischende Papageien, sattes Grün, aufsteigender Wasserdampf… sicherlich einer der besonderen Plätze auf unserer Reise.


das Wegenetz war super – man konnte im Prinzip die Abbruchkante ablaufen. Wahrscheinlich von den Wegen her der beste Nationalpark in Argentinien, nachdem die hierzulande eher mager sind…


Schmetterlingsmahlzeit


an der Garganta. Man konnte jedoch durch die Wassertröpfchen nicht wirklich was sehen.


trotzdem sehr beeindruckend!

Damit war unsere Zeit in Puerto Iguazu vorbei. Am nächsten Tag ging es nachmittags Richtung Buenos Aires, wobei wir um kurz nach sechs Uhr morgens an der ‘Cruce Colón’ rausgeschmissen wurden. Die Kreuzung war nicht, wie erhofft, am Eingang des Ortes, sondern acht Kilometer entfernt. Also bis kurz vor Sonnenaufgang an der nächsten Tanke gewartet und danach in die Stadt getrampt. Nach einer Stunde nahm uns tatsächlich jemand mit. Wir bekamen noch eine Stadtführung und wurde etwas rumgefahren, bis wir vorsichtig anmerkten, schonmal hier gewesen zu sein. Aber für uns änderte es nichts, da wir sowieso bis Mittags auf den Bus warten mussten. Sind ja nur vier Stunden. Die Fahrt nach Paysandu (16 Kilometer entfernt und in Uruguay) dauerte dann nochmal eineinhalb Stunden, da der Zoll etwas genauer war. Langsam wird mein Reisepass voll… In Paysandu fuhren wir dann zu Alfredo, bei dem unser Koffer noch stand. Endlich wieder ein vernünftiger Koffer und nicht nur der bolivianische Mist (gebrochen, Henkel abgerissen, eine Rolle fehlt, überall Löcher…). Da wir uns das Hostel sparen wollten, blieben wir die Nacht gleich da und durften im Büro seiner Werkstatt schlafen. Das war ein komisches Gefühl, wieder hier zu sein, wo es mit unserer Alten Dame los ging. Im Nachhinein kommt mir das alles so unvorstellbar vor. Was für eine Schnapsidee! Immerhin wusste ich vorher nichtmal, wie man den Ölstand misst. Aber hat ja alles geklappt.
Grade fahren wir nach Montevideo. Es schaut sehr europäisch hier aus, da kann ich auch am Laptop schreiben. Ein paar Tage schauen wir uns die Stadt an und versuchen, nicht zuviel auszugeben (man denkt, teurer als Argentinien wird es nicht mehr… bis man nach Uruguay kommt). Und danach… ja, danach geht es dann langsam zurück nach Buenos Aires und irgendwann mal auf den Heimweg.

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