Lechtaler / Ötztaler Alpen

Wer keine Lust auf Text hat, unten sind die Bilder. [F11] drücken!

So, es ist einiges an Zeit vergangen und hier ist viel passiert. Ich fasse kurz zusammen: Drei Wochen Allgäuer, Lechtaler, Ötztaler Alpen sowie Gardasee-Klettern liegen hinter mir, die Woche Pause danach war viel zu kurz, dann ging es mit dem Rad nach Prag, dort fotografierend durch die Peripherie zwischen Leben und Erleben, danach mit dem Rad weiter nach Chemnitz, dort fotografierend durch Industrieruinen und unangenehmerweise Menschen mit White Power T-Shirts und anderem Rotz, danach mit dem Rad nach Leipzig, wo ich mich sofort in diese wunderschöne Stadt mit ihrer noch schöneren Subkultur verliebte und schließlich mit der Bahn nach Göttingen, wo ich endlich den restlichen Teil meiner Familie wieder sah.

Mittlerweile bin ich zuhause angekommen aufgeschlagen, erfolgreich in eine wunderschöne Erlanger WG gezogen, die es gefühlt schon ein halbes Jahrhundert gibt, um nach vier Tagen Konfrontation mit der Uni stärkste Sehnsüchte nach einem Camper in Südamerika zu haben. Die Unschuldsvermutung muss bei meinem Studiengang einfach weggelassen werden, ich hätte es wissen müssen, dass es von Anfang an verbockt wird. Zur Erklärung: Wir haben zwei Module über ein Semester, die wir teilweise frei wählen dürfen. Das Modul, das maßgeblich zu meiner Entscheidung pro Uni Erlangen beigetragen hat, ist seit Juli vergeben. Zur Erinnerung: Ich habe mich im August eingeschrieben. Das gleiche mit anderen Modulen: Nein, kein Eintritt für Nicht-Biologen, nein, seit Juli alles voll, etc… Ich verstehe es einfach nicht. Es werden einem keine Steine in den Weg gelegt, die Uni ist ein einziger Berg. Mindestens UIAA III+, also am besten nicht ungesichert überschreiten…
Ende vom Lied ist, dass ich zwischen der Entscheidung stand, meinen Master von drei auf vier Semester (zwangs) zu verlängern oder meine Spezialisierung nicht in der molekularen Biologie, sondern in der Synthesechemie anzusiedeln. Also habe ich jetzt mehr Zeit und einen noch kaputteren Lebenslauf, ich weiß grade nicht, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht, immerhin ist Zeit das wertvollste Gut im Leben und mit nichts, aber auch gar nichts zu bezahlen, selbst mit dem größten Vermögen nicht. Nachdem ich mit Mühe, Not, viel Freundlichkeit und einer Menge Glück in das Wahlmodul Immunologie reingerutscht bin und dadurch einen Fuß in die molekulare Medizin setzen kann, freue ich mich wohl doch. Also vielleicht doch noch ein letztes Mal echte Semesterferien.

Ich wiederhole gerne meine vorherigen Worte: Zeit ist das wertvollste Gut und mit nichts zu bezahlen.

Alaska?

Aber jetzt steht erstmal Studium an und irgendwie freue ich mich ein bisschen auf die Vorlesungen. Ich weiß auch nicht, was da los ist.

Soviel dazu, das ist der Status Quo. Die Projekte laufen, im November halte ich hoffentlich die ersten 32 Seiten Analog-Zine in der Hand und auch die meisten Bilder aus Südamerika sind zwar nicht gescannt, aber entwickelt. Ich beschränke mich allerdings erstmal auf die nähere Vergangenheit und nehme euch mit auf eine kurze Reise durch die Alpen.

Die Bilder sind alle analog, die zwei Kilo Bronica-SQ und ein paar Kodak Portras, Fuji Velvias, Provia 400x (gecrosst) und ein Lomo Redscale waren wieder dabei.

Ich beschränke mich im Text – es ist lange her, es gäbe soviel zu erzählen und ich habe Kopfschmerzen.

Juz-Bergtour… Lechtaler Alpen


die ersten zwei Tage verliefen bewölkt bis regnerisch… ich mag Wolken in den Bergen, am besten mit schwarzem Fels und Neuschnee, aber dafür war es etwas zu warm.


Filmwechsel – es wird brachialer – Lomo Redscale auf Iso 50 belichtet (:


am dritten Tag riss es auf und wir konnten noch einen Gipfel mitnehmen


… hatten aber auch leider einen Ausfall. Auf dem Weg weggerutscht, Schulter luxiert =/ …


… und am nächsten Tag im Tal abgeholt. Neben dem Fachgeschäft für Waffen und Nähmaschinen.

Ötztaler Alpen

Es ist jedesmal das gleiche: Man fährt nach Österreich, passt kurz nicht auf und landet in den Ötztaler Alpen. Ziel waren diesmal die Hochvernagtspitze und die Weißkugel, die im Gegensatz zur kugeligen Weißseespitze nicht kugelig, sondern spitz ist. Als Selbstversorger auf eine Gletschertour gehen ist dann doch nochmal eine andere Hausnummer… mit Seil, Steigeisen, Pickel und Hardware im Rucksack. Wir waren auf der Vernagthütte nach zweieinhalb Stunden Aufstieg reichlich kaputt. Der kommende Tag führte uns auf die Hochvernagtspitze, ein langweiliger 3500er, immerhin mit kurzweiliger Gletschertour. Die letzten Jahre hatten wir jedesmal einen Schneesturm vor unserer Tour… dieses Jahr nicht und es sah schlimm aus. Soviel Fels so weit oben! Auf dem Gletscher bekamen wir auch eher nasse als kalte Füße und mussten das ein oder andere Mal Bäche(!) überspringen, die sich ihren Weg über das Eis bahnten. Ein Trauerspiel. Schön war hingegen das Brandenburger Haus, umgeben von Eismassen. Auch die schmelzen zwar, aber dort fällt es noch nicht so auf. Lustige Geschichte dazu: Das Haus und der Gletscher wurden früher als Lager der k.u.k.-Armee (königliche und kaiserliche Armee; Österreich-Ungarn) genutzt, die die Gletscherspalten ebenso wie die späteren zivilen Nutzer als Endlager für nicht-Atommüll, aber eben doch Müll nutzten… der sich mit zunehmender Gletscherschmelze jetzt den Weg nach draußen bahnt. Wir haben sehr, sehr alte Bierdosen gefunden… Eine andere, eher unschöne Geschichte ist die des DAV und der Sektion Mark Brandenburg vor 1933. Die Sektion Mark Brandenburg war Besitzer der Hütte und eine der größeren und einflussreicheren Sektionen im DAV. Die Sektion war durch und durch völkisch-antisemitisch und hat maßgeblich dazu beigetragen, schon ab 1899 die Einführung eines Arierparagraphen im D.u.Ö.A.V. (Deutscher und Österreichischer Alpenverein) zu fordern und durchzusetzen. Ein sehr kurzer Abriss zu dem Themenkomplex des frühen Antisemitismus im Alpenverein lässt sich hier und hier finden.

Vom Brandenburger Haus ging es für uns zurück ins Tal. Wir wollten uns noch in eine Spalte abseilen und uns mal umsehen, aber jemand hatte uns vom Klettergurt eine Eisschraube gestohlen. Ich pack sowas absolut nicht. Wer macht sowas, wenn er oder sie weiß, dass ohne die Schraube kein Standplatz zum sichern mehr gebaut werden kann? Auf einer Hütte, die nur über Gletscher zu erreichen ist, hängt jeder mit drinnen, aber offenbar hält das die Leute nicht vom Klauen ab. Letztes Mal wurde mir in den Ötztaler Alpen übrigens meine dicke Sturmhaube gestohlen, als draußen der Schneesturm tobte.
Wie auch immer, viel Spaß mit den Bildern.


Auf dem Weg zur Hochvernagtspitze


auf dem Fluchtkogel


180°-Drehung: Das Brandenburger Haus (wer sieht es?)


kleine Eishöhle, perfekt zum Reinklettern


Nach sieben Stunden rumspielen auf Grat, Gletscher und in der Firnwand zieht es langsam zu…


…spätestens hier im White Out war das GPS Gold wert!

Bis bald.
flo

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