Córdoba, die Pampa und der Parque Nacional Lihué Calel

Es hat ein wenig gedauert, aber wir stehen mal wieder an einer Tanke und nutzen die WLAN-Verbindung für ein kurzes Update. Wir sind am Übergang von der Pampa zu Patagonien, also durchaus weit gekommen in den paar Tagen. Nachdem wir jede Menge Eindrücke mitbringen, splitten wir den Eintrag auf, heute kommt Córdoba und die Fahrt durch die Pampa, morgen der Parc Nacional Lihué Calel, in dem wir die letzten drei Nächte verbracht haben.

Córdoba hat sich für mich vor allem durch eins ausgezeichnet: Den irrsinnigen Verkehr. Sowohl die Fahrt in als auch aus der Millionenstadt hat Nerven gekostet. Nach hunderten Kilometern auf einsamen Landstraßen waren sieben Spuren Taxifahrer, Busse, Kleintransporter, Roller und so weiter etwas zuviel für mich, zumindest mit dem Bus. Nerven gekostet hat dann auch nochmal das Rangieren auf dem bewachten Parkplatz, zu Weihnachten wünsche ich mir eine Servolenkung… Dafür ist die Stadt weitaus entspannter als Buenos Aires und man merkt, dass Córdoba sehr studentisch geprägt ist.

Unser Hostel war schön, es hatte mehr was von Wohnen bei der Familie, entweder der Hund ist einem vor die Füße gelaufen oder die Kleine hat einem die Sachen geklaut oder ist irgendwo rumgeturnt.

Die Stadt ist aus einer alten Jesuitenmission entstanden und ist demzufolge sehr katholisch geprägt (Die Jesuiten haben eine Missionierungstour gestartet und regelmäßig ‘Misiones’ aufgebaut, aus denen dann teils Städte entstanden sind).

Eine der zahlreichen Kirchen in Córdoba

Am eindrücklichsten war für mich aber eher der Besuch der ehemalige Sitz der ‘D2′, einer Spezialeinheit der Polizei (‘Spezialeinheit zur Informationsbeschaffung). Während der Militärdiktatur verschwanden in Argentinien zahlreiche Oppositionelle, Gewerkschafter, Anarchisten und Kommunisten, Schätzungen zu Folge etwa 30.000. Viele der in Córdoba verschwundenen dürften in dem Gebäude gefoltert worden sein. Das Schicksal der Verschwundenen blieb für die Familien ungewiss, da die Leichen beseitigt wurden. Ein Beispiel für das vorgehen der Repression ist die Betäubung der Verhafteten und das anschließende Abwerfen (aus Helikoptern o.ä.) über dem Meer oder dem Rio Plata. Ähnlich abschreckend ist die Praxis, die Kleinkinder von Verschwundenen in regimenahen Familien mit Kinderwunsch unterzubringen (wer Interesse hat, kann sich den Film  ‘Das Lied in mir’ ansehen, in dem es genau darum geht).

Verbotene Literatur während der Militärdiktatur

Bilder der zahlreichen aus Córdoba Verschwundenen

Von Cordoba aus ging es in fast grader Linie nach Süden, 850 km in zwei Tagen. Die Landschaft wird mit den Kilometern karger und arider, wo weiter oben im Norden noch weite Soja-, Weizen- und Maisfelder sind, findet sich 500km weiter südlich fast nur noch Viehzucht. Zu den Sojafeldern werde ich bei Gelegenheit noch ein paar Worte verlieren.

Pampa… Pampa… Pampa.

Im Vorfeld hatte ich die Befürchtung, dass das Fahren unendlich langweilig wird. Aber eigentlich ging es bisher sehr gut, die Landschaft hat (meistens) genug zu bieten – auch wenn die Pampa sehr, sehr öde sein kann, vor allem wenn man mal wieder 150 km ohne Kurve fährt.


Gauchito Gil, der argentinische Robin Hood, dem an sämtlichen Straßen gehuldigt wird

Mittlerweile hat sich rauskristallisiert was mit dem Auto geht und was nicht. Geht: 500-600 km am Tag fahren. Geht nicht: An diesem Tag noch groß anderes machen. Aber das sind dann meistens die Tage, an deren Ende man sowieso an einer Tankstelle übernachtet.


Tankstellenromantik

Nach den erwähnten zwei Tagen Fahren sind wir nach Córdoba im Parc Nacional Lihue Calel angekommen. Der Park ist gute 100 qkm groß und auf den ersten Blick unspektakulär. Aber schon die Kilometer vor dem Park werden interessant, mit weiten Pampablicken und Salzseen inklusive Flamingos.

Im Park gab es einen kleinen kostenlosen Campingplatz ohne Strom und natürlich auch ohne Internet (daher auch erst jetzt der Nachtrag). Der nächste Ort war 35 km entfernt und es fühlte sich sehr, sehr weit vom Rest der Welt an.


Campingplatz im Park

Die Pampa wird in Lihue Calel durch eine kleine Hügelkette unterbrochen, die wie aus dem Nichts in der Landschaft steht. Durch den Einfluss auf Regen und Wasserspeicherung verändert sich das Klima, sodass die Gegend sehr artenreich ist. Den ersten Tag – an dem wir tagsüber die einzigen Parkbesucher waren – verbrachten wir laufend auf der großen Runde im Park, etwa 15-20 km durch die Halbwüste. Ich bin immer noch begeistert von der Wandelbarkeit der Vegetation innerhalb kürzester Strecke. Vom Grasland in den Dornenwald und plötzlich steht man völlig im Grünen. Auch an Tierwelt gabs einiges zu sehen, vor allem die omnipräsenten Guanakos.


Eines der zahlreichen Guanakos (wahrscheinlich das, was Wache schiebt… eins beobachtet immer die Umgebung)

Abends bin ich noch allein auf den Cerro Alto, den höchsten der Hügel. Ursprünglich wollte ich den Sonnenuntergang anschauen, aber dank Wind und Staub war nicht viel zu sehen.

Am zweiten Tag haben wir die Räder fit gemacht und sind ein wenig durch die Gegend geradelt. Es funktioniert zwar nichts mehr außer das Treten und die Rücktrittbremse, aber das reicht ja erstmal. Nachmittags ging es dann nochmal auf den Cerro Alto, der Wind hatte sich den Tag gelegt und wir hatten eine gigantische Öd-Landschaft vor uns. Am Campingplatz kam dann die Invasion der Wochenendbesucher – Zeit zum weiterfahren.

Cerro Alto inklusive Gipfelstuhl (:
Aussicht vom Cerro Alto

So ging es am nächsten morgen weiter gen Süden. Dabei hatten wir auch die ersten 80 km Dirt Road, wobei die Straße noch schlimmer war. Schotter ist in Ordnung, aber Schotter mit Asphalt drunter und den damit verbundenen Asphaltschlaglöchern ist eine Katastrophe. Armes Auto… wir werden versuchen es in Zukunft zu vermeiden. Auf den 500 folgenden Kilometern gab es nicht mehr soviel zu sehen. Straße… Pampa… blühender Strauch in der Pampa… Tankstelle… Tornado… oh, Tornado! Bilder kommen hoffentlich noch, Coras SD-Karte ist geschossen. Das war es dann aber auch schon mit der Action. Leider gab es die einige Kilometer vor unserem Ziel. Aussichtspunkt, anhalten, einmal Alibi-mäßig um den Wagen laufen: Platten. Fuck… als hätte die Sache mit der Batterie nicht erstmal gereicht. Gut, dass wir zwei Ersatzreifen haben. Nur… wo ist der Wagenheber? Eigentlich sollte er im Kofferraum links unten sein, war er aber nicht. Also Auto ausräumen. Nicht nur den Kofferraum, sondern alles. 45 Minuten später: Immer noch kein Wagenheber. Nichts zu machen, also mit Warnblinker 2 km zurückfahren bis zur nächsten Biegung. Unser Reifen mochte das nicht, der hat sich auf dem Weg zerfleddert… ich hoffe sehr, dass die Felge nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden (sie schaut allerdings ganz gut aus). An der Abzweigung befand sich ein kleiner Laden, sah aus wie Gartenausrüstung… naja. Die chilenische Familie und die Frau des Hauses waren unglaublich hilfsbereit und haben uns unterstützt, wo sie nur konnten. Alleine hätten wir nichtmal den Reifen runterbekommen, das ging nur mit öl und Brecheisen. Sowas sollte uns nicht außerhalb der Zivilisation passieren! Wahrscheinlich ist es ähnlich wie das festfahren: Muss echt nicht sein, aber hinterher weiß man wenigstens, was man nächstes Mal anders machen muss.

Der Rest des Tages ging mit Batteriekauf (immerhin nur knapp 100 Euro statt der woanders vorgeschlagenen 175) und Autopflege rum. Schade, denn wir sind, 2500 km nachdem wir in Paysandu gestartet sind, in Patagonien, genauer Puerto Madryn am Atlantik angekommen und hätten uns noch gerne mehr umgeschaut. Aber ein paar Tage haben wir hier ja noch. Und immerhin: Nachdem tatsächlich die Autobatterie das Problem war, haben wir wieder Licht und fließendes Wasser im Wagen.

Nächstes Mal schaffen wir es hoffentlich (falls wir Internet bekommen), die Posts ein wenig zu stückeln… als fauler Mensch bin ich mir schon bewusst, dass es etwas viel zum lesen ist. Also Glückwunsch und Danke an die, die das hier noch lesen ;)

Und falls noch Interesse an mehr Bildern herrscht (v.a. aus dem Nationalpark): H I E R gibt es die gesammelten Bilder aus Argentinien.

[flo]

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

One Response to Córdoba, die Pampa und der Parque Nacional Lihué Calel

  1. Paddy says:

    Ach schön, dass das mit der Elektrik dann doch so einfach war! … und ich dachte mir schon das artet in ner riesigen Fehlersuche aus!
    Die Fotos sind ja einfach nur krass! … auf dem Hügel wär ich gern dabei gewesen… und für nen Hügel ist die Aussicht ja echt phänomenal! Und die am Abend davor mit dem ganzen Staub und dem Sonnenuntergang erinnert mich stark an den Sonnenaufgang auf Mt. Sinai (auch “Mosesberg”; Ägypten) … die Felsen dort waren ganz ähnlich, was die Form und Farbe angeht… aber das damals war in unglaublichen Unmengen von Touris. Hier mal ein Foto von dort (von jemand anderem).
    Was Coras Karte angeht: versucht mal, bevor ihr irgendwas anderes macht, eine 1:1-Kopie der Karte zu erstellen (z.B. mit WinImage) . Dann kann man mit verschiedenen Datenrettungsprogrammen versuchen die Karte auszulesen – und wenn das nicht klappt, hebt man sich dieses “Image” der Karte auf der Festplatte auf und versucht mal, sie zu formatieren – evtl. geht sie danach wieder und man kann sie normal weiter verwenden. Oder erkennt nicht mal der Kartenleser die Karte? Dann kann vielleicht noch eine eurer beiden Kameras drauf zugreifen (so eine halb-kaputte Karte hab ich auch rumliegen) . Wenn alles nicht hilft, nehmt hebt sie mal auf und bringt sie mit heim… vllt kann man da ja doch noch was richten! ;-)
    Freu mich schon auf den zweiten Teil eures Berichts! Schöne Grüße,

    Paddy

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>