Versteinerte Wälder und große Scheiße

Hier kommt der zweite Teil unseres “Wochenberichtes”. Nachdem wir Camarones hinter uns gelassen haben, wollten wir zum Monumento Naturale Bosque Petrificado, das etwa 450km weiter südlich liegt. Auf dem Weg dahin ging es unter anderem durch Comodoro Rivadavia, eine potthässliche Ölstadt, die allerdings recht groß ist.

Unsere Chance auf einen Ersatzreifen, nachdem es bisher keine passenden gab. Also an der ersten Tankstelle gefragt – und an der zweiten und dritten. Antwort: Fahrt zu Wal-Mart. Wal-Mart? Reifenkauf im Supermarkt? Naja… mal sehen. Aber da Sonntag war und die ein Dutzend Reifengeschäfte auf dem Weg natürlich geschlossen hatten, fuhren wir letztlich zu Wal-Mart. Und tatsächlich – neben Optiker, Apotheke, Bäckerei, Wäscherei etc gab es auch den Wal-Mart-Autoservice. Mit allen erdenklichen Ersatzreifen. Und so sehr ich Wal-Mart auch verabscheue (Stichwort Arbeitsbedingungen, wundert mich nicht, dass Sonntag offen ist), ein Ersatzreifen samt Montage für 100€ – da konnten wir nicht nein sagen. Also verabschiedeten wir uns vom alten, der auf dem Dach mitgefahren ist.


Und nachdem es bei Wal-Mart alles gibt, haben wir drinnen auch gleich einen Wagenheber geholt – für umgerechnet 18 Euro. Traurig, aber tatsächlich sehr viel hochwertiger als alles andere, was uns bisher an Tanken etc. angeboten wurde.

Die Nacht verbrachten wir an einer tendenziell eher schäbigen Tankstelle in Caleta Olivia (die nächste Ölstadt). Am nächsten Morgen nahmen wir dann die letzten 150km in Angriff. Wir kommen immer tiefer in den Süden, es wird kälter, windiger und mit der Zeit auch immer karger. Keine Bäume mehr, maximal 30cm hohe Sträucher. Dafür wird die Landschaft interessanter, die monotonen Ebenen werden immer häufiger von sanften Anhöhen und zerrissenen Canyonlandschaften abgelöst. In einer dieser Canyon- und Vulkanlandschaften lag auch unser Ziel, das Monumento Naturale Bosque Petrificado, kurz: Die versteinerten Bäume, denn darum ging es eigentlich. Aber schon auf den letzten 30km war klar, dass es darum nur noch nebensächlich ging, die Landschaft war atemberaubend abwechslungsreich und Grund genug, trotz teils desaströser Schotterpiste (50km in über 1,5 Stunden) nicht in Langeweile und Frustration zu verfallen. Alle erdenklichen Hügelformen – sanfte Steigung bis Abbruchkante -, Farbtöne von rot über ocker zu schwarz und dazu eine Wolkenlandschaft, die einem den Atem rauben konnte. Mit einem Wort: Monumental!

Am Besucherzentrum angekommen wurden wir von einer freundlichen Rangerin empfangen, die einen der entspanntesten Jobs überhaupt haben dürfte – jeden Tag kommen laut der Liste, auf die wir eingetragen wurden, etwa 5 Besucher. So ganz wundert mich das nicht, denn ohne eigenes Auto hat man keine Chance. Außerdem zeigt sich hier die ganze Schwäche der hiesigen Nationalparks: Man kann einiges erfahren (also: mit dem Auto abfahren), aber es gibt nahezu keine Wanderwege. Ein Trauerspiel, denn die Landschaft wäre prädestiniert für (Weit)wanderungen und ich war ein wenig enttäuscht, dass ich nicht tiefer in den Park konnte (und durfte). Aber was wir auf den zwei Kilometern Rundweg sahen, war fürs erste beeindruckend genug.

So langweilig sind auch versteinerte Bäume nicht. Von Asche bedeckt, fielen sie irgendwann um und wurden unter weiteren Ascheschichten begraben. Mit der Zeit wusch der Regen Mineralien aus der Vulkanasche, die in die Zellstrukturen der Bäume eindringen konnte. Mit der Zeit kristallisierten die Stoffe aus – die Versteinerung entstand. Irgendwann wurden die Bäume wieder freigelegt und so liegen in dem Park 30 Meter lange, bis zu 3 Meter dicke Bäume, denen man noch die Jahresringe oder die Rinde um sie herum ansehen kann.

Den Tag ausklingen ließen wir auf der Estancia La Paloma, die einen kleinen Campingplatz hatte. Der Besitzer war recht freundlich, bis ich den Heizlüfter anschmeißen wollte und damit wahrscheinlich den Generator überfordert habe. Oups (: Die Nacht verbrachten wir frierend bei etwa sechs, sieben Grad Außentemperatur. Wir bewegen uns langsam aber sicher Richtung Feuerland und wärmer wird es erstmal nicht…


Am “Campingplatz” La Paloma

[...]

Wir schreiben immer vor, aus Internetmangel, und eigentlich wollten wir den Eintrag so absenden, aber wir haben noch etwas (unerfreuliches) zu erzählen.
Zunächst ging es weiter nach Puerto San Julian und nach einer Nacht auf dem dortigen Campingplatz neben zwei “Panzern” (monströse Reisemobile, Fotos folgen) fuhren wir gestern noch in ein kleines Naturschutzgebiet zum Pinguine anschauen. Waren süß, die >50.000. Heute wollten wir weiter nach Rio Gallegos, um morgen die Grenze nach Chile und damit gen Feuerland zu überqueren. Allerdings wurde nichts draus. Der Wagen verliert schon seit spätestens Cordoba immer wieder etwas Kühlflüssigkeit und heute morgen lief es richtig raus. Mit freundlicher Hilfe eines Argentiniers sind wir dann bis Rio Gallegos los, haben den Wagen in die Werkstatt gefahren – und sind zu Fuß wieder rausgekommen. Riss in der Wasserpumpe, daher ständiger Wasserverlust, vor allem auf Schotter (durch die Vibrationen). Da der Wagen aber schon 25 Jahre alt ist, gibts keine Ersatzteile. Also die Pumpe ausbauen, um sie provisorisch zu flicken. Dabei haben es die Mechaniker noch geschafft die Keilriemenscheibe einzudellen – Prima. Wie es ausgeht wissen wir noch nicht, aber sehr weit werden wir so schnell erstmal nicht fahren. Mit etwas Glück schaffen sie es den Wagen morgen wieder zusammenzuschrauben (ich traue es ihnen nicht mehr zu), dann würden wir direkt nach Ushuaia weiterfahren und hoffen, dass es das Ersatzteil dort gibt. Wenn nicht bleibt nur der Expressversand aus Deutschland, da seid dann ihr gefragt… haha. In Deutschland dürfte die Pumpe nicht mehr als 150€ kosten (+150€ Versand), hier wurden die Kosten auf 700€ für die Pumpe alleine taxiert. Große Scheiße. Dritte Woche, dritte Panne und langsam knacken wir die 1000€, sollten wir tatsächlich eine Pumpe finden.
Das ist auch nicht das einzige Problem, aber es ist das dringlichste.

Also, drückt uns die Daumen… wir können es gebrauchen.

[flo]

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