Erst kein Glück und dann noch Pech

Erstmal: Ja, wir betreiben Jammern auf hohem Niveau, denn es ist durchaus sehr erträglich hier, zumindestens solange sich die Tagesaktivitäten nicht auf Werkstattbesuche und Übernachtungen auf dem Tankstellenparkplatz reduzieren. Nachdem unsere Wasserpumpe völlig dilletantisch repariert wurde, ging es endlich weiter nach Süden. Die Wasserpumpe hat jetzt eine Kleberummantelung, was eher unpraktisch ist, dürfte der doch mit der Zeit hydrolysieren. Davon abgesehen verlieren wir noch immer Kühlwasser. Aber da wir beide mit Magen-Darm-Problematik morgens nicht aus dem Hostel gekommen sind, waren wir leider erst wieder zum Einbau in der Werkstatt. Dafür wollten die Mechaniker – es waren immer zwischen drei und sieben Personen damit beschäftigt – nichts für ihre Arbeit, da sie offenbar über verkaufte Teile finanziert werden. Eine seltsame Sache, aber vielleicht würde es die 700€ Kostenvoranschlag erklären, die eine neue Wasserpumpe kosten sollte.

An der Grenze angekommen hieß es: Warten. Aber nicht, weil die Papiere für die Grenzbeamt_innen unverständlich waren, sondern weil wir zur Prime-Time zusammen mit 50 anderen Verkehrsteilnehmern über die Grenze wollten. Nach etwa 2,5 Stunden und etwas Hin und Her war die Aufgabe erledigt und wir waren in Chile. Wer es nicht weiß: Feuerland ist von Argentinien nicht direkt erreichbar, da das ehemals umstrittene Gebiet durch einen Kompromiss entlang eines bestimmten Längengrad getrennt wurde. Nachmittags erreichten wir dann die Magellanstraße und vor uns: Tierra del Fuego.

Die Magellanstraße

Der Name Feuerland kommt von den ersten Besiedlern (mit unrühmlicher Geschichte, aber dazu wann anders), die die zahlreichen Feuer der indigenen Bevölkerung entlang der Küste sahen und der Insel daher den Namen gaben. Feuerland ist lustigerweise so groß wie Irland und hat kaum mehr Einwohner als Erlangen. Daher fuhren wir nach der Fähre gute vier Stunden für etwa 130 km Schotterpiste, ohne, von einigen Estancias und LKWs abgesehen, groß Menschen zu finden. Die gab es erst wieder an der Grenze, an der wir diesmal nur eine Stunde brauchten – inklusive 15 km Straße, die zwischen den Grenzposten lagen.

Chilenischer Teil Feuerlands

Gelandet sind wir schließlich in Tolhuin, neben Rio Grande und Ushuaia die einzige ernst zu nehmende Besiedlung des argentinischen Teils. Geschlafen haben wir an den Ufern des Lago Fagnano, eines 115km langen Sees, der sich bis in den chilenischen Teil Feuerlands erstreckt. Wir haben in der kurzen Zeit außerdem alle Absonderlichkeiten des hiesigen Wetters abbekommen (wobei: kein Schnee), der Wind hat gestern zu einer unglaublichen Brandung am See geführt. Da kann die Nordsee nicht mithalten…

15 Meter vorm Bus (:

Den Tag beschlossen haben wir mal wieder mit dem ein oder anderen Problem am Auto. Die Starterbatterie macht langsam schlapp und jetzt verliert auch die andere Wasserpumpe – die für die Spüle – Wasser. Das bekommen wir schon hin, zu allem Überfluss ist beim Öffnen aber auch der Verschluss der Überdruckflasche hinter der Pumpe gebrochen. Jetzt haben wir also wieder kein Wasser, zwei neue Baustellen dort, die Batterie, immer noch die Motorwasserpumpe… und ach, der Motor springt kalt nicht mehr an, aber das liegt wahrscheinlich an den Glühkerzen, ist also (hoffentlich) eher harmlos. Trotzdem, wir werden das Gefühl nicht los, dass der Wagen uns langsam zerbröselt. Die nächsten Tage werden mal wieder Reperaturtage (meine mechanischen Fähigkeiten haben sich in den letzten Wochen potenziert) und dann hoffen wir, dass wir auch mal ein paar ruhigere Wochen bekommen.

Schöne Grüße von der Tierra del Fuego und noch einige nachgereichte Bilder der vergangenen Woche… und jetzt: auf nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt.


Ein bis zwei Stunden vor San Julian


Patagonische Hügellandschaft bei Camarones

Monte Leon, Heimat von über 50.000 Pinguinen

Laguna Azul, 10 km vor der chilenischen Grenze

[flo]

by the way:  nachdem wir hier auch aktuelles von zuhause mitbekommen: Kampf dem Faschismus auf allen Ebenen! Schluss mit der Kriminalisierung von zivilem Ungehorsam! Schluss mit der Repression gegen antifaschistische Arbeit wie in Dresden!

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

One Response to Erst kein Glück und dann noch Pech

  1. You should take part in a contest for one of the best blogs on the web. I will recommend this site!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>